Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 363: Freitag, 12. März 2021

Peter Pan 

Tag_363_Peter_Pan

„Ich glaube ich werde niemals erwachsen, das ist nur teuer und anstrengend“

In meinem Freundeskreis wurde dieser Satz häufig geäußert. Was wie der Traum Peter Pans klingt, birgt auch heute noch eine gewisse Faszination für mich. Gerade wenn es um augenscheinlich „erwachsene“ Entscheidungen geht, wie um einen Küchenkauf, die richtige Autowahl oder die Entscheidung welche Versicherungen notwendig sind. Manchmal wäre es schön, solche Entscheidungen anderen getrost überlassen zu können. Ohne natürlich mit den Konsequenzen leben zu müssen oder unter fremden Entscheidungen leiden zu müssen ...

Leid erprobt sind die Meisten unter uns schon. Wir mussten und müssen uns auch weiterhin einschränken zum Wohl der Allgemeinheit. Ich bin heilfroh, dass ich in den letzten Monaten keine politischen Entscheidungen treffen musste, die das Leben von Millionen betraf. Die Diskussionen, ob oder wie Gottesdienste an Heilig Abend gefeiert werden, waren mir genug emotional aufgeladen. Manchmal wäre es schön Kind zu sein, Entscheidungen anderen zu überlassen ...

Aber nur manchmal! Wenn es um den Ess-Plan oder „zu-Bett-geh-Zeiten“ geht, dann sieht die Sache schon ganz anders aus. Es ist ein schöner Traum mal keine Verantwortung zu tragen, aber eben auch nicht mehr. Jede und jeder von uns ist verantwortlich. Wir tragen für unser Leben, für unser Wohlbefinden die Hauptlast. Manches kann uns nicht abgenommen werden. Und doch gibt es immer wieder die Gelegenheit das innere Kind raus zu lassen. Das Leben ist nicht so bitter ernst, auch hier und heute gibt es viele Gelegenheiten zum Lachen, um sorglos wie ein Kind sein Leben zu führen.

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Annweiler


 

Tag 362: Donnerstag, 11. März 2021

Stolpersteine 

362 empty tomb gemeinfrei pixabayIn der Passionsgeschichte wird von einem ziemlich großen Brocken erzählt: „Wer wird den Stein wegrollen?“, überlegen die Frauen auf dem Weg zu Jesu Grab und ihre Frage ist zeitlos: Immer wieder gibt es Steine, die im Weg liegen. Da ist der Streit in der Familie. Da heißt es Abschied nehmen von einem Menschen. Da erreichen uns Bilder von unsäglichem Leid und Nachrichten lasten einem auf der Seele.

In einer Geschichte legt ein Mann verächtlich lachend einen schweren Stein in die Krone einer jungen Palme und geht davon. Sie schüttelt, biegt sich, versucht die Last abzuwerfen. Vergebens. Tiefer krallt sie sich in den Boden, bis ihre Wurzeln Wasseradern erreichen. Die Kraft aus der Erde und die Sonne aus der Höhe machen sie zu einer königlichen Palme, die den Stein zu stemmen vermag. Als nach Jahren der Mann wiederkommt, senkt die Palme ihre Krone, zeigt ihm den Stein und sagt: „Ich danke dir. Deine Last vermochte mich stark zu machen!“

Steine wahrnehmen. Unterwegs sein, unterwegs bleiben und die Wege gehen, die das Leben zu gehen aufgibt. Gestürzte stützen und nach dem eigenen Stolpern das Aufstehen wieder lernen, das will uns Jesu Passion zeigen. Durch ihn dürfen wir hoffen, dass das Unerwartete auch für uns wahr werden kann: Dass der Stein schon weggerollt ist.

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein


 

Tag 361: Mittwoch, 10. März 2021

Das Weidenkätzchen
(Christian Morgenstern)

361 kaetzchenKätzchen, ihr, der Weide,
wie aus grüner Seide,
wie aus grauem Samt!
Oh, ihr Silberkätzchen,
sagt mir doch, ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt!

"Wollens gern dir sagen:
wir sind ausgeschlagen
aus dem Weidenbaum,
haben winterüber
drin geschlafen, Lieber,
in tieftiefem Traum."

In dem dürren Baume,
in tieftiefem Traume
habt geschlafen ihr?
in dem Holz, dem harten,
war, ihr Weichen, Zarten,
euer Nachtquartier?

"Musst dich recht besinnen;
was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,
wie wir jetzt im Kleide
blühn von Samt und Seide
hell im Sonnenlicht.

Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlanken
grauen Baumgeäst;
unsichtbare Geister,
die der Weltbaumeister
dort verweilen lässt."

Kätzchen, ihr, der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
Oh, ihr Silberkätzchen,
ja, nun weiß, ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt.

Weidenkätzchen und Gedicht gefunden von: Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf


 

Tag 360: Dienstag, 9. März 2021

Mut zum Weltfrauentag

360 Susanne Niemeyer KaffeetrinkenIm Nachgang zum Weltfrauentag möchte ich diese Gedanken von Susanne Niemeyer* mit Ihnen teilen:

„Wir leben in einer Zeit der Selbstoptimierung. Zeitschriften, Seminare und Psychotests suggerieren uns: Es gibt immer etwas zu verbessern. Es hört nie auf. Um eine bessere Mutter/Liebhaberin/Arbeitnehmerin zu sein gibt es Coaches, um eine funktionierende Weltenbürgerin zu sein, Therapien. Wer nicht glücklich ist, ist selber schuld.

Damals als es noch keine Frauenzeitschriften gab, wurde Jesus mal gefragt, was das allerwichtigste Gebot sei. Er sagte „Gott zu lieben und seinen Nächsten lieben wie sich selbst.“ Man könnte das übersetzen: sich angenommen fühlen. Sich selber annehmen. Und deshalb auch andere annehmen können. Wer in einem solchen Meer an Liebe schwimmt, kann nicht untergehen.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie den Mut haben, sich immer wieder in dieses Meer zu trauen und für sich sagen können: Ich bin okay. Einen fröhlichen Weltfrauentag!

Vikarin Almendra García de Reuter, Godramstein

* Texte und Bild aus: Niemeyer, Susanne: Mut ist...Kaffeetrinken mit der Angst. 40-mal anfangen, Freiburg 2008, S. 78f.


 

Tag 359: Montag, 8. März 2021

Meine kleine Welt

359 gtn 8.3Darf ich vorstellen? Meine kleine Welt! Es sieht zumindest auf dieser Aufnahme so aus, als ob ich auf der Erde stehe – wie ein Riese in seiner Hälfte der Erdkugel. Oder aber die Welt um mich herum ist geschrumpft wie ein Luftballon, der die Luft verliert. Auf jeden Fall stimmen die Größenverhältnisse nicht mehr. Das liegt an der 360°-Kamera. Mit ihr ist diese besondere Perspektive möglich.

Da ist was dran: Gefühlt ist die Welt um mich herum in den letzten Wochen geschrumpft. Manchmal habe ich mich auch wie ein Riese in meiner kleinen Welt gefühlt. Aber kommt es darauf überhaupt an, wie groß meine Welt ist?

„Gott hält die ganze Welt in seiner Hand“, singe ich mit meinen Kindern oft. „Der muss aber große Hände haben!“, hat mal eins gesagt. Genau, es kommt nicht darauf an, wie groß die Welt ist, sondern darauf, dass Gottes Hände groß genug sind… Und sie sind groß genug, dass alles hineinpasst: Meine kleine Welt, meine engen Grenzen, meine Sehnsucht. Gott hält unsere kleine große Welt in seiner Hand…

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler


 

Tag 358: Sonntag, 7. März 2021

Monatssprüche – nicht nur für einen Monat!

Tag 358 Monatssprüche

Mitte des 19. Jahrhunderts entstand der erste Bibelleseplan. Er sollte Konfirmanden die tägliche Bibellektüre vereinfachen. Den Bibelleseplan übernahmen Jugendvereinigungen und Ausbildungsstätten der Diakonie. Erst 1934, erschienen regelmäßig die Jahreslosung und die Monatssprüche. Während des Kirchenkampfes gegen die Nationalsozialisten erlangten die ausgewählten Bibelworte große Bedeutung, so dass sie verboten und durch einen „braunen Spruch“ ersetzt wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die „Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen“ ihre Arbeit wieder auf. Seither sind die Monatssprüche auf Postern in vielen Gemeindehäusern und Schaukästen der Kirchen zu finden. Sie wollen Orientierung sein, doch manchmal verwirren sie. So der Monatsspruch für den März: „Jesus antwortete: Ich sage Euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ (Luk. 19,40).


Wer ist die „diese“ gemeint? Es sind die Menschen, die Jesus zujubeln, als er in Jerusalem einzieht. Sie sehen in ihm den kommenden Frieden für die Welt. Die Pharisäer bitten Jesus, dafür zu sorgen, dass der Jubel verstummt. Jesu Antwort: „...dann werden die Steine schreien…“
Der Triumph des Friedens über den Hass. Schon vor Ostern deutet er sich in Jesu Worten an. Der Sieg des Lebens über den Tod. Er wird nie verstummen.  Das hat der Widerstand im „Dritten Reich“ geglaubt. Das tröstet Menschen unserer Tage. Das erhellt die Gedanken derer, die einen mysteriösen Monatsspruch zu entschlüsseln versuchen.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt

 

 


 

Tag 357: Samstag, 6. März 2021

Multitasking

Tag 357 Multitasking

 Ein junger Mönch fragte seinen Abt: „Darf ich beim Beten rauchen?“ Die Antwort: „Nein!“ Kurz darauf traf der Mönch einen alten Mönch, der beim Beten genüsslich Pfeife rauchte. „Man soll nicht beim Beten rauchen, hat der Abt gesagt“, schimpfte er. Der alte Mönch antwortete: „Wieso? Ich habe den Abt gefragt, ob ich beim Rauchen beten darf – und er hat gesagt, ,Natürlich man darf immer beten‘.

Ich kann nicht anders als bei dem Wort Mönch an katholische Mönchsorden zu denken. Und ganz fasziniert bleibe ich hängen, an einem, für mich katholischen Mönch, der sich den Gedanken Martin Luthers bedient. Das ganze Leben soll Gottes-Dienst sein. Das ganze Leben wie ein Gespräch mit Gott. Und doch bleibt die Frage nach dem Besonderen. Wie bei einem richtigen Gespräch: da ist es auch höflich und recht sich ganz auf sein Gegenüber zu konzentrieren, sich eben nicht ablenken zu lassen. Und doch ... bei Weinfesten geht auch beides: Trinken und sich unterhalten. In Gesellschaft, beim Abendessen, da geht es auch. Beten geht in allen Lebenslagen, auch beim Multitasking.

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Annweiler