Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 445: Mittwoch, 2. Juni 2021

Heimat

Tag 445 Heimat

In fast jedem Dorf in der Pfalz gibt es eine Kirche. Sie wurden gebaut, damit sich die Gemeinde zum Gottesdienst oder Gebet versammeln kann. Menschen vor unserer Zeit haben sich mit ihrer Arbeitskraft und Geldspenden stark gemacht, dass sie gebaut wurden. Sie sind ein oft wenig beachteter Schatz.

Menschen fühlen sich mit ihrer Kirche im Dorf oder Stadt besonders verbunden. Im Familienalbum gibt es Bilder von Taufen. Oder Konfirmationsbilder, über die man heute schmunzelt. Auch Erinnerungen an traurige Stunden des Abschieds von lieben Menschen kommen uns in den Sinn.

Es ist gut, dass es die Orte in unserem Leben gibt, an denen uns Gott besonders nahe ist. Dort spüren wir seine Zuwendung und Geborgenheit in besonderer Weise. In diesen Räumen können wir aufatmen. Sie sind Orte der Stille. Hier können wir zur Ruhe kommen und Kraft tanken, damit wir unseren Alltag mit deinen Höhen und Tiefen meistern.

Gemeindediakonin Annette Bernhard, Hofstätten / Annweiler

 

 

 


 

Tag 444: Dienstag, 1. Juni 2021

Vermisster Genuß

Tag 444 Essen

Ich liebe gutes Essen. Das habe ich in diesem Rahmen schon das ein oder andere Mal erwähnt. Ich behaupte sogar von mir leidlich gut kochen zu können. Zumindest in den letzten Wochen und Monaten habe ich selten Beschwerden darüber gehört. Kurzum: rein kulinarisch war ich völlig zufrieden. Dabei habe ich gar nicht gemerkt, das was mir was fehlt.

Das hat sich am Wochenende geändert. Frisch getestet, mit der Sonne im Rücken und bei offenem Verdeck ging es nach Rhodt unter Rietburg. Die Außengastro hat wieder offen und das wurde genutzt. Das erste mal diese Jahr. Und ich muss sagen: es war toll! Erst als wir da draußen zwischen den Reben saßen, wurde mir klar, wie sehr ich es vermisst habe. Einfach gemütlich da zu sitzen, einen tollen Service zu bekommen, den Wein dazu zu genießen und gerade kein Schlachtfeld in der Küche aufräumen zu müssen (an der Fähigkeit sauber und ordentlich zu kochen, arbeite ich noch). Es geht doch weiter. Es gibt doch Hoffnung. Der Sommer kann kommen, das wird gut!

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Annweiler

 

 

 


 

Tag 443: Montag, 31. Mai 2021

Sind wir noch zu erziehen?

Tag 443 Herzerziehung

Ich habe ein paar Tage frei und bin zu Freunden gefahren, die ein Weingut an der Mosel haben. Bei einer Wanderung zeigten sie mir stolz ihren Weinberg und ihre Anbaumethode: die „Herzerziehung“. Die Rebzweige werden zu einem Herz am Pfahl gebunden. Sie erklärten mir: „Durch diese Art von Erziehung verhindern wir, dass die Rebstöcke zu buschig werden. Sie haben dann weniger Blätter, dafür mehr Trauben. Das bedeutet mehr Winzerarbeit, aber die Früchte entwickeln dann ihr sehr ursprüngliches Aroma.“

Nun sitze ich im Urlaub an diesem Text und sollte doch vor Inspiration nur so sprudeln – nach so einer Auskunft über herzförmige Reben! Aber ich habe mehr Fragen als Ideen. Zu was sollten unsere „Zweige“ erzogen werden? Vielleicht zu mehr Geduld und Hoffnung? Sind wir noch zu erziehen? Was sollte in jedem einzelnen von uns zusammenwachsen? Vielleicht Körper und Seele, Arbeit und Familie, wir und die Menschen in unserem Umfeld? Und was ist unser ursprüngliches Aroma? Oder wie können wir dem mehr ähneln, wie Gott uns gemeint hat?

Fragen über Fragen! Nur einer Sache bin ich mir heute sicher: Unser Gott scheut keine Winzerarbeit. Bei jedem einzelnen seiner Kinder, solange, bis unsere Rebzweige irgendwann ein Herz bilden und Früchte der Liebe tragen. Wir dürfen darauf vertrauen. Denn so spricht unser Winzer: „Ich, der Herr, bewache den Weinberg und bewässere ihn regelmäßig. Er wird blühen und gedeihen, so dass die ganze Erde voller Früchte ist.“ (Jes 27,3a.6b BB)

Almendra García de Reuter

 

 


 

Tag 442: Sonntag, 30. Mai 2021

1+1+1=1

Tag 442 Kleeblatt dreiblättrig

In Mathe grottenfalsch, in Reli, v.a. heute, genau richtig: Wir feiern die Dreieinigkeit Gottes! Dazu heißt es im Wochenspruch: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ Das ist der letzte Vers im letzten Kapitel des 2. Korintherbriefs. Letzte Worte. Sie haben immer besonderes Gewicht: Sollen aufrütteln, fassen zusammen, bringen auf den Punkt, worauf es ankommt. Worauf kommt es an? Da ist zunächst die Gnade: Neu anfangen dürfen, wenn man Fehler gemacht hat. Alle Bruchstücke im Leben Gott anbefehlen können. Sich in Gesundheit und Krankheit bei ihm geborgen wissen. Leben als Geschenk empfinden, das nicht selbstverständlich ist. Dann die Liebe: Sie steht sicher nicht zufällig in der Mitte: Der Mensch braucht Liebe und das Wissen darum, dass Gott einem auf wunderbare Weise ins Dasein gerufen hat und annimmt, wie man ist und geworden ist. Und schließlich die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, der unserer Seele Flügel verleiht, und uns begeistert, gemeinsam miteinander im Glauben unterwegs zu sein. Als Gut-Tu-Nachricht kann es heute nun keinen schöneren Wunsch geben als eben diesen: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ So soll es sein!

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein

 


 

Tag 441: Samstag, 29. Mai 2021

Augen auf am Wegesrand!

441 gänseblümchen3Da blüht uns was! Augenblümchen, Himmelsblume, Maiblume, Marienblümchen, Maßliebchen, Mondscheinblume, Morgenblume, Osterblume, Regenblume, Sommerröschen, Sonnenblümchen, Tausendschön ... alles Bezeichnungen für das Gänseblümchen, die gewöhnlichste aller Blumen.

Dabei ist sie bei näherem Hinschauen alles andere als gewöhnlich. Ein wahres Wunderwerk der Schöpfung, an dem sich Kinder- und Omaherzen, Romantiker und Mathematiker, leidenschaftlich Verliebte und nüchterne Naturbeobachter gleichermaßen erfreuen können. 

Übrigens: der wissenschaftliche Name des Gänseblümchens lautet "bellis perennis", was frei übersetzt so viel heißt: Schönheit überdauert Jahre.

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf


 

Tag 440: Freitag, 28. Mai 2021

Pfingsten

Tag 440 Pfingsten

Gott kommuniziert wieder mit dem Menschen. Von sich aus, weil er ihn liebt! Er sendet seinen Heiligen Geist zu den Menschen, die es nicht verdient haben. Er schickt den Geist, der uns dazu bringt mit Gott reden zu können, an ihn zu glauben; der uns zu Christus führt, der uns unsere Schwachheit erkennen lässt. Er beweist uns, dass wir im Leben nicht zu kurz kommen. Bei Gott stehen wir an erster Stelle. Der Heilige Geist ist es, der es möglich macht, dass Menschen Gottes Führung und Leitung in ihrem Leben erkennen können, auch wenn sie durch schwere Krisen, Katastrophen und Kommunikationsstörungen mit anderen hindurchgehen. Der Heilige Geist ist es, der Menschen zum Glauben führen kann. Der Heilige Geist ist es auch, der Streitigkeiten untereinander beheben kann. Doch wir haben IHN. Gott schenkt uns den Geist. Es ist sein Geist. Nicht unser Geist. Aber: Gott möchte mit Ihnen kommunizieren. Dazu sendet er den Heiligen Geist. Gott schickt Ihnen seinen Geist. Gerade an Pfingsten und darüber hinaus.

Vikar Patrick Keipert, Landau

 

 

 


 

Tag 439: Donnerstag, 27. Mai 2021

Im richtigen Moment

Tag 439 Moment

Es sind Millisekunden, die hier zählen. Genau im gleichen Moment abgedrückt – meine Tochter und ich haben bei einer Fotosafari den perfekten Moment erwischt, um uns gegenseitig beim Fotografieren zu fotografieren. Es gibt jetzt zwei Bilder, die jeweils den anderen zeigen – hinter einem Blitz, der aussieht wie eine Sonne, die alles überstrahlt – ein Gänsehautmoment, denn wir sind für eine Millisekunde synchron und absolut gleichzeitig. Danach haben wir versucht, das zu wiederholen – ohne Erfolg. So was klappt offenbar nur einmal.

Besondere Momente, die eine ungeheure Leuchtkraft haben, als wäre die Sonne zum Greifen nah, gibt es auch in der Bibel. In Psalm 84,12 erlebt jemand Gott auch als Sonne, die zum Greifen nah ist: „Gott der Herr ist Sonne und Schild.“ Es sind diese Momente, wo Gott und ich uns gleichzeitig ansehen, wenn sich unsere Blicke treffen und lauter Licht zwischen uns ist. Eine Millisekunde Gänsehaut, der perfekte Moment! Es gibt ihn. Und ich glaube, auch Gott hat dann Gänsehaut. Das Schöne ist: Solche Momente kommen einfach – sie lassen sich nicht provozieren, nur Genießen. Oder?

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler

 

 


 

Tag 438: Mittwoch, 26. Mai 2021

Leben unterm Regenbogen

Tag 438 Regenbogen

Jeder Regenbogen fasziniert mich. Die wunderschönen Farben und sein majestätisches Aufragen in den Himmel, lassen mich ehrfürchtig werden. So nah und doch unerreichbar ist ein Regenbogen. Sichtbar, wenn man die Sonne im Rücken und die Regenwand vor sich hat. Sichtbar, aber nicht greifbar.

Seit Noahs Zeiten ist der Regenbogen Sinnbild für den Frieden Gottes mit den Menschen. Ein Symbol der Geborgenheit und des Schutzes (1. Mosebuch, Kapitel 9)

Selten sieht man einen durchgehenden Regenbogen, der sich ganz über die Landschaft legt. Sehr selten sieht man den darüber liegenden Nebenregenbogen und die dunkle Fläche zwischen den Bögen. Diese Fläche nennt sich „Alexanders dunkles Band“. Wie sie zu erklären ist, kann man bei Wikipedia nachlesen, ich hab’s nicht verstanden.

Ich weiß aber, dass die Fotografin des Bildes die Sonne im Rücken und den Regen vor sich hat. Wie alle Menschen.

Leben mit Rückendeckung. Auch, wenn dunkle Wolken auftauchen, bleibt das Leben schön und faszinierend, bunt und beschützt. Auch, wenn wir Gott nicht greifen können zeigt er sich. Hinter uns, vor uns, über uns. Und oft auch – in doppelter Bedeutung- unter uns.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt