Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 370: Freitag, 19. März 2021

„Déjà-vu“

Tag 370 Fastenkalender

Eigentlich müsste es für meine Gut-Tu-Nachricht heute „schon gehört“ heißen, denn das blaue Frühlingsband im Gedicht von Eduard Mörike vorletzte Woche, das munter durch die Lüfte geflattert ist, hat meine Großtante immer sehr gern zitiert – und nicht nur im März. Sie könnte eigentlich noch leben, stelle ich fest: Jahrgang 1907 wäre sie im Sommer 114 Jahre alt. Neulich hat schließlich eine 116-jährige Ordensschwester in Frankreich, die inzwischen 117 ist, Corona überstanden. (Das ist eine Gut-Tu-Nachricht in sich!) Jahrgang 1904 / 1907 … Das waren, keine Frage, gänzlich andere Zeiten! Apropos: „Andere Zeiten“ heißt auch ein Verlag, der den Fasten-Wegweiser „wandeln“ herausgibt. Er ist mein Begleiter, auch dieses Jahr vor Ostern. Ich hab´ schon vorgespitzelt …: Am Ziel wird es in „Besinnlichen Thesen“ von Helmut Gollwitzer heißen:

Nichts ist gleichgültig. Ich bin nicht gleichgültig.
Alles, was wir tun, hat unendliche Perspektiven – Folgen bis in die Ewigkeit; es hört nichts auf.
Wir kommen aus Licht und gehen in Licht.
Wir sind geliebter, als wir wissen.
Wir sind auf einen Lauf nach vorne mitgenommen, der uns den Atem verschlägt.
Es geht nichts verloren.
Wir sind nicht allein. – Wir sind nie allein.
Dieses Leben ist ungeheuer wichtig.
Die Welt ist herrlich. – Die Welt ist schrecklich.
Es kann mir nichts geschehen. – Ich bin in größter Gefahr.
Es lohnt sich zu leben.

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein

 


 

Tag 369: Donnerstag, 18. März 2021

Glauben und Zweifel

369 mandelbluete2Zum Glauben gehört der Zweifel. Unzweifelhaft, glaube ich.

Kaum zu glauben zum Beispiel bei diesen Temperaturen, dass es einmal Frühling werden wird. Doch unzweifelhaft wird er kommen. Das ist nun keine Glaubenssache. Oder doch? Streng genommen ist es nicht logisch, folgerichtig, zwingend. Wir vertrauen einfach darauf, dass es so ist. Oder dass Gott das, was er geschaffen hat, auch erhält, Tag für Tag, Jahr für Jahr.

Bei Jahreszeiten ist die Sache mit dem Glauben und Zweifel einfach, in der gegenwärtigen Situation aber schwer. Was soll ich glauben, worauf soll ich vertrauen? Dass die Politik schon das Richtige entscheidet? Dass die Menschen verantwortungsvoll alle Corona-Regeln beachten? Dass das Virus seine Gefährlichkeit verliert? Dass die Impfstoffe wirken und in den Nebenwirkungen nicht schädlicher sind als das Virus selbst?

Das möchte ich glauben, und doch beschleichen mich zuweilen Zweifel. Aber dann schaue ich auf die positiven Zeichen der Veränderung. Die Mandelblüte wird für mich zum hoffnungsvollen Sinnbild.

Freunde, dass der Mandelzweig
sich in Blüten wiegt,
bleibe uns ein Fingerzeig,
wie das Leben siegt.
(Liederbuch "Wo wir dich loben" 39,4)

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf


 

Tag 368: Mittwoch, 17. März 2021

Tief in der persönlichen Black Box

Tag 368 Black Box

Jedes Verkehrsflugzeug hat eine Black Box – einen Flugschreiber, der die Flugdaten aufzeichnet. Der Inhalt liegt im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Die Black Box ist so versiegelt, daß weder Luft noch Wasser die Flugdaten zerstören können. Sie ist vor allem dann gefragt, wenn es bereits zu spät ist: nach einem Absturz. Mir kommt es so vor: Jeder und jede von uns hat eine persönliche Black Box. Dort halten wir Gefühle, Gedanken und Erlebnisse versiegelt. Das, was tief verletzte, was wir an uns nicht mögen, was wir uns selbst nicht eingestehen wollen…in den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Und bei manchen von uns ist es in dieser Box so düster und finster, dass wir oft unser ganzes Leben unter diesem Schatten leben, der uns runter zieht, bis es zu spät ist. Und wir denken dabei, dass so zu leben unser Schicksal sei…. Quatsch! Sagt uns der Epheser-Brief: „Wandelt als Kinder des Lichts“.

Durch Christus, der von sich sagt: »Ich bin das Licht der Welt!« So können wir von seiner Liebe durchleuchtet werden. Und er spricht es seinen Leuten auf den Kopf hin zu: »IHR seid das Licht der Welt!« Das bedeutet dann: wir haben schon Gottes Licht in uns, mitten in unserer Dunkelheit, ganz tief in unserer Black Box. Öffnen wir also unsere Dunkelheit vor den liebevollen Augen Gottes! So dass Licht rein kommt. Dass unser eigenes von Gott angelegtes Licht auch leuchten kann.

Vikarin Almendra García de Reuter

 

 

 


 

Tag 367: Dienstag, 16. März 2021

Handschriftlich

Tag 367 Handschriftlich

Wann habt ihr das letzte Mal etwas mit Hand geschrieben? Und zwar nicht nur ein paar Worte auf den Einkaufszettel, sondern ein paar Sätze am Stück? Es gibt ja Graphologen, und die sagen, die Handschrift ist unverwechselbar und ein Spiegel der Persönlichkeit. Jeder hat eine eigene Handschrift. Sogar Gott. Zum Beispiel als ich das erste Mal meine Kinder nach der Geburt im Arm hatte. Da habe ich sie gesehen, gefühlt, erlebt, die Handschrift Gottes. Oder als ich meine Frau kennen gelernt hab (auf Umwegen) da habe ich auch gemerkt: Da hat auch Gott seine Finger mit im Spiel. Und wie bei jeder Handschrift gibt es auch da nicht nur die großen Worte und die großen Buchstaben. Sondern auch die vielen kleinen Zeichen, die Punkte, die Kommas, die i-Tüpfelchen. Auch die gehören dazu, zu Gottes Handschrift. Genauso wie die Leerräume zwischen den Wörtern … und alles was zwischen den Zeilen steht. Sonst wird’s nämlich ganz schnell unleserlich, so ganz ohne Punkt und Komma. Achtet mal drauf! Welche i-Tüpfelchen begegnen euch heute? Und was steht alles zwischen den Zeilen?

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler

 

 


 

Tag 366: Montag, 15. März 2021

Der Mensch denkt und Gott lenkt.

Tag 366

Gestern feierten wir in Frankweiler Konfirmation 2020. Vor einem Jahr wollten wir sicher planen. Wir beschlossen, erst kurz vor der nächsten Konfirmation zu feiern. „Dann, wenn unbeschwerte Treffen und Feiern wieder möglich sind“. Es hat nicht sollen sein.

Wir haben das Beste draus gemacht. Das Presbyterium war versammelt, die Kirche schön geschmückt, die Orgelmusik passte und auch der Pfarrer versuchte, eine gute Mischung zu finden zwischen lockerer Fröhlichkeit und angemessenem Ernst.

Aber ohne Gesang? Abendmahl unter Vorsichtsmaßnahmen wie in einem Hochsicherheitstrakt? Und die Kumpels der Konfirmanden mussten auch zu Hause bleiben. Feiern mit Maske eben.

Es war dennoch gut. Ein besonderer Moment für die Jugendlichen, für die Familien, für die Gemeinde und für mich, den Pfarrer. Es war eine Feier des Lebens. Wie alle Gottesdienste, zu denen wir eingeladen sind.

Der Mensch denkt: „Erste, zweite, dritte Welle...“

Gott lenkt: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein..."

 Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt

 


 

Tag 365: Sonntag, 14. März 2021

Tag 365!

365Seit einem Jahr gibt es täglich die Gut- Tu - Nachricht! Am Anfang ging ich davon aus, dass wir maximal bis zum Tag 100 schreiben würden. Das war eine totale Fehleinschätzung. Jeder Tag beginnt bei mir mit einer Tasse Kaffee, der Gut- Tu- Nachricht unsere Regionalgruppe und der Zeitung. Übrigens lesen sie täglich einige hundert Personen.

Nun leben wir schon ein Jahr mit der Krise. Bei manchen Menschen habe ich den Eindruck, dass sie sich mit der Situation arrangiert haben und das nun die neue Normalität ist. Kein Händedruck, keine Umarmung und das Leben spielt sich hauptsächlich in den eigenen vier Wänden ab.

Ich habe da einen anderen Blickwinkel. Mir fehlen viele Kontakte und der Alltag erscheint mir manchmal ziemlich grau. Gleichzeitig hoffe ich, dass in absehbarer Zeit das Leben wieder bunter wird.

Wir werden Feste feiern, wir werden tanzen und auch auf großen Trauerfeiern  nah beieinanderstehen und weinen.
Wir werden uns an den Händen halten.
Wir werden uns zu den Geburtstagen in die Arme nehmen und fest drücken.
Wir werden einander ins Gesicht sehen können – in das ganze Gesicht – und werden lachen.
Und wir werden singen, laut und fröhlich, werden reisen können -
und dabei eine dankbare und verantwortlichere Haltung leben. 

Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung
und nicht wanken;
denn er ist treu, der sie verheißen hat.
Hebräer 10,23

Gemeindediakonin Annette Bernhard, Annweiler / Hofstätten


 

Tag 364: Samstag, 13. März 2021

Deine Stimme zählt!

364 wahlomatEs tut gut, gefragt zu werden. Am Sonntag ist Landtagswahl, da sind wir alle gefragt. Jede Stimme zählt. Vielleicht haben Sie schon gewählt per Briefwahl. Bis Sonntag, spätestens um 18 Uhr müssen die ausgefüllten Wahlunterlagen bei der angegebenen Stelle abgegeben sein. Oder Sie gehen direkt ins Wahllokal.

Sind Sie sich unsicher, wen Sie wählen sollen? Möglicherweise hilft Ihnen der Wahl-O-Mat weiter, um sich zu informieren und dann zu entscheiden.

Vielleicht sehen Sie das mit der Wahl nicht so positiv wie ich. Ich kenne etliche, die unzufrieden mit Politikerinnen und Politikern sind und sagen, von denen will ich niemand wählen, denn wenn die mal an der Macht sind …. Bevor Sie gar nicht wählen, ein Tipp meinerseits. Von den 13 Parteien, die für den Landtag kandidieren, ist laut Hochrechnungen davon auszugehen, dass nur 5 vielleicht 6 die Fünf-Prozent Hürde überwinden und in den neuen Landtag einziehen. Bei der Erststimme kandidieren auch Menschen, die wissen, dass sie kein Direktmandat erlangen. Solchen Parteien oder Personen die Stimme zu geben, bringt sie zwar nicht an die Macht, aber es stärkt die kritischen Stimmen innerhalb einer Demokratie.

Zum Schluss: Ich habe einen „Ohrenweide-Podcast“ zum Thema gefunden. Helge Heynold liest den Text "Der Hut, der Minister und die Gerechtigkeit" von Friedhelm Kändler aus dem Buch "Schöner Denken mit WoWo. Genießen Sie diesen unter:

https://www.evangelisch.de/audios/183053/08-03-2021/ohrenweide-der-hut-der-minister-und-die-gerechtigkeit-friedhelm-kaendler

Pfarrer Jürgen Leonhard, Landau