Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 472: Dienstag, 29. Juni 2021

Auf den dritten Blick

Tag 472 Dritter Blick

Wenn meine Kinder nicht gesagt hätten, Guck mal, Papa! Eine Schnecke!“, ich hätte die Tür einfach geöffnet, ohne zu merken, dass auf der Klinke eine Schnecke sitzt. Auf den zweiten Blick sehe ich, dass die Schnecke mich anschaut, als ob sie mich fragen wollte: „Nimmst du dir auch wirklich genug Zeit, um wahrzunehmen, was es hier zu erleben gibt?“

Türen sind im Alltag dazu da, geöffnet oder geschlossen zu werden. Diese Tür an der Abteikirche in Otterberg will aber betrachtet werden und mit mir ins Gespräch kommen. Sobald ich das tue, fällt mir (auf den dritten Blick) noch etwas auf: Wenn ich die Tür öffne, umfasst meine Handfläche eine Botschaft, die in die Klinke eingraviert ist: „Mors Porta Vitae“. Übersetzt: Der Tod ist die Tür zum Leben. Daran halte ich mich buchstäblich fest, sobald ich die Tür öffne… Es geht hier wirklich um die Tür! Und die Botschaft der Tür, die ich bei näherer Betrachtung so verstehe: Nimm dir Zeit, die Türen in deinem Leben in Ruhe zu betrachten. Türen sind mehr als nur Alltagsgegenstände. Verschlossene Türen sind Schutz, offene Türen sind Einladungen. Türen, die sich öffnen lassen, sind Chancen. Türen, die sich langsam schließen, sind die Vergänglichkeit. Und diese Tür mit der Schnecke?

Die Schnecke schaut mir zu, wie ich sie langsam öffne. Ich nehme sie wahr, die Tür und die Schnecke, wie sie mich einladen, in die Abteikirche zu gehen. Und ich bin mir sicher, Gott zeigt euch auch die ein oder andere Tür. Und dahinter ist immer Leben – auf den dritten Blick. Wetten?

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler

 


 

Tag 471: Montag, 28. Juni 2021

Graffiti

471 GraffitiUnser Sohn liebt Graffiti. Er hat sich selbst schon als Sprayer betätigt. Auf genehmigten Flächen in Freiburg. „Legal“ ist zwar in der Branche verpönt, aber bei den Eltern war nichts Anderes drin.

Gut dreißig Kilometer westlich von Freiburg liegt das elsässische Neuf-Brisach. In den Festungsanlagen von Vauban (UNESCO-Weltkulturerbe seit 2008) ist das Musée Arts Urbains et du Street Art (kurz: Mausa) untergebracht. Beim Besuch der unterirdischen Gänge erübrigt sich die Frage, ob Graffiti Vandalismus oder Kunst sind. Die Räume sind ein Erlebnis.

Wie sehr Graffiti Zeitkritik und leidenschaftliches Plädoyer für Farben und Formen sind, wurde sichtbar, als wir die kleine Garage in der Nähe des Museums entdeckten. Inmitten der nüchternen Bauten blühen hier Bekenntnisse und Ideale.

Liebe, die graue Festungstürme in himmelblaue Farbe taucht. Liebe, die – im Blick auf die Menschen – keine Farben kennt. Liebe, die sich zeigt. Liebe, die anders ist.
Ein Kleinod in einer Straßenecke Neuf-Brisachs. Hier kamen mir Jesu Worte aus der Bergpredigt in den Sinn:

Ihr seid das Licht der Welt (Matth. 5,14).

Jesus hofft auf Menschen, die einer grauen Welt Farbe verleihen. Die Eintönigkeit mit Himmelsblau tränken. Er wünscht sich Geschwister, die Liebe versprühen.
Christen sind Sprayer, ganz legal.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt


 

Tag 470: Sonntag, 27. Juni 2021

Halbzeit

470 halbzeit3Wir haben Ende Juni. Schon fast das halbe Jahr ist um. Und mal wieder der Gedanke, dass die Zeit rast.

Halbzeit also. Bei der Fußballeuropameisterschaft ist die Halbzeitpause die Gelegenheit für die Spieler, um zu ruhen und neue Kraft zu tanken. Zeit, um auf die erste Halbzeit zurückzuschauen und zu überlegen, wie sie gelaufen ist. Oft gibt es nach der Pause Veränderungen in der Taktik und das Spiel dreht sich.

Halbzeit auch für das Jahr 2021. Wie war Ihr erstes Halbjahr? Ist es dahingeplätschert oder gab es wichtige Erlebnisse? Was bleibt in Erinnerung aus dem Winter und Frühjahr dieses Jahres? An welche schönen Momente will ich mich erinnern? Was war anstrengend? Und was lerne ich aus den letzten Monaten? Was möchte ich anders machen im 2. Halbjahr?

Innehalten, refklektieren und Veränderungen angehen. Nehmen Sie sich doch heute die Zeit, darüber nachzudenken!

Der du allein der Ewige heißt
und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt
und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten.
(Jochen Klepper)

Gemeindediakonin Annette Bernhard, Annweiler / Hofstätten


 

Tag 469: Samstag, 26. Juni 2021

Vorfreude

469 vorfreudeInzwischen ist ganz offiziell Sommer. Die Urlaubszeit kommt immer näher. Vielleicht sind Sie ja auch schon voller Vorfreude. Vorfreude. Bestimmt kennen Sie den Satz: Vorfreude ist die schönste Freude. Und tatsächlich inzwischen bestätigt es auch die Wissenschaft. Mit der Vorfreude beginnt bereits die Erholung. Bis zu 8 Wochen kann dieses Gefühl anhalten. Die Sommerferien sind ja nur noch 3 Wochen entfernt. Die Schülerinnen und Schüler sind bereits voller Vorfreude. Bald haben sie 6 Wochen für sich. Wenn wir uns auf etwas freuen, dann ist das ein viel schöneres Gefühl, wie wenn wir auf tolle Dinge zurückschauen. Vorfreude kann uns sogar helfen durch anstrengende und aufreibende Tätigkeiten im Alltag zu bringen. Also gönnen sie sich die Vorfreude, auf den anstehenden Urlaub, den kommenden Sommer. Suchen sie sich etwas auf das sie sich Freuen können. Und freuen sie sich darauf. Denn jetzt wissen Sie auch ganz offiziell: Vorfreude ist die schönste Freude.

Vikar Patrick Keipert, Landau


 

Tag 468: Freitag, 25. Juni 2021

Ein kurzer Gruß vom See

468 italienLass uns nach Italien fahren. So fing es an und wir sind jetzt da. Da es ein Kurzurlaub ist, sind wir mit leichtem Gepäck unterwegs. Dafür im Cabrio. 

Mit idyllischen Vorstellungen im Gepäck fuhren wir los. Auf dem Weg durch die Schweiz dann die Entscheidung: wir fahren über den Gotthardpass! Mit offenem Verdeck, mit Sonnenbrille auf der Nase. In der Realität hatten wir die Heizung an, das Verdeck geschlossen und die Scheibenwischer im Dauerbetrieb. 

Ich halte mich meistens für einen Optimisten. Jetzt gerade fällt es mir sehr einfach positiv zu sein. Die Sonne scheint, ein lauer Wind kühlt die Mittagshitze und im Hintergrund plätschert das Wasser. Es gibt aber natürlich auch die anderen Momente. Aber hier und heute kann ich für diese Zeiten Kraft, Ruhe und Erholung tanken. 

Erwartungsmanagement ist Enttäuschungsmanagement. Hohe Erwartungen habe ich meist von meinem Leben. Hohe Ansprüche habe ich nicht nur an mich selbst. Da fällt es mir nicht immer einfach die Dinge so anzunehmen, wie sie dann passieren. Doch ich arbeite daran und zumindest bezüglich der Geschichte mit dem Pass, dem offenen Verdeck und dem Sonnenschein kann ich jetzt nur herzlich schmunzeln und lachen. 

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Annweiler


 

Tag 467: Donnerstag, 24. Juni 2021

Schlüssel

467 schluesselWie geht es Ihnen, wenn Sie mal wieder Ihren Schlüssel verlegt haben und die Frage Sie umtreibt: »Wo sind bloß wieder meine Schlüssel?«

Ein vergessener Schlüssel kann aussperren. Ein verlegter Schlüssel kann daran hindern, mit dem Auto von A nach B zu fahren.

Mit Schlüsseln öffnen oder schließen wir zu.

Es gibt unzählige Wörter, in denen das Wort »Schlüssel« vorkommt. Sie begleiten uns durchs Leben: Schlüsselbein - Notenschlüssel - Schlüsselblume - Schlüsselkinder - Kreuzschlüssel - Schlüsselfiguren …

Wer waren denn Schlüsselfiguren in unserem Leben, die uns etwas erschlossen haben? Die uns eine lange Wegstrecke in unserem Leben begleitet haben?

Unsere Eltern, die uns das Leben geschenkt haben? Freundinnen und Freunde, die mit uns Freud und Leid teilten? Die uns mit Rat und Tat zur Seite standen? Lehrerinnen und Ausbilder? Seelsorgerinnen und Kümmerer?

Menschen jedenfalls, die hoffentlich das Gute in uns geweckt haben. Die uns aufgeschlossen und etwas in uns vermittelt haben.

Auch gibt es unzählige Schlüsselmomente. Manche können uns Zutritt zu einem ehemals versperrten Zugang verschaffen. Andere mit dem Schlüssel der Liebe und der Empathie das Herz eines verbitterten Zeitgenossen wieder aufschließen.

Im Märchen bedeutet ein Schlüssel das Symbol für das Leben. Märchen erzählen von verlorenen oder von gefundenen Schlüsseln.

Christenmenschen denken, dass unser gelebter Glaube ein Schlüssel sein kann, der uns den tiefen Sinn des Lebens aufschließt.

Welches ist denn nun der wahre Schlüssel zum Glück? Haben Sie ihn für sich schon entdeckt und gefunden?

Jedenfalls - viel Glück beim Suchen!
Und - notfalls gibt es ja noch einen Schlüsseldienst!

Lektorin Monika Wiegand, Landau-Mörzheim


 

Tag 466: Mittwoch, 23. Juni 2021

Hoffnung - finale Version

466 jesajaDer Hund schaut ein wenig verdattert. Kann man aber auch verstehen. Das Reittier reitet auf dem Hund. Das Lasttier wird selbst getragen, die Natur auf den Kopf gestellt. Ein kleiner Kinderspaß. Und doch: diese kleine Begebenheit erinnert mich an einen der großartigsten Hoffnungstexte aus der Bibel. Da geht es um die ganz große Perspektive: Hoffnung nicht nur für dich und mich, sondern für alles, was lebt.

Da wird der Wolf beim Lamm wohnen
und der Panther beim Böcklein lagern.
Kalb und Löwe werden miteinander grasen,
und ein kleiner Knabe wird sie leiten.
Kuh und Bärin werden zusammen weiden,
ihre Jungen beieinanderliegen,
und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind.
Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter,
und ein kleines Kind wird seine Hand ausstrecken zur Höhle der Natter.
Man wird weder Bosheit noch Schaden tun
auf meinem ganzen heiligen Berge.
(Jesaja 11,6-9)

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf