Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 486: Dienstag, 13. Juli 2021

Zwei

486 zweiZwei, die sich verstehen. Sie gehören einer Generation an. Sie leben in einer Welt. Sie blicken in die gleiche Richtung.

Zwei, die sich äußerlich und innerlich unterscheiden. Sie haben die je eigene Art, zu denken und zu handeln und zu hoffen. Sie müssen sich auch mal in Ruhe lassen.

Zwei, die gemeinsam stark sind. Sie ergänzen einander. Sie spielen und lernen miteinander. Sie brauchen Zeit für sich.

Zwei, die zum Wunschbild werden für mein Verhältnis zu Gott.

„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit“. (Jesaja 41,10)

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt


 

Tag 485: Montag, 12. Juli 2021

Überraschungen

485 ueberraschungLetzte Woche saß ich abends mit Leggins und Wollsocken und einem Glas Wein  auf der Couch und ließ den Tag ausklingen. Es war kurz nach 21.30 Uhr. Da klingelte es an der Tür. "Wer ist das jetzt um die Uhrzeit? ", fragte ich mich. Draußen standen eine Mutter, die Konfirmandin vom Samstag und der kleine Bruder. Eine Tafel leckere Schokolade und ein paar Blümchen übergaben sie mir. Ich war sprachlos. Dass sie sich auf den weiten Weg zu mir ( min 20 Minuten Autofahrt) gemacht haben, um mir danke zu sagen, das fand ich wunderbar. Es hat mich wirklich total gefreut. Es hat mir gezeigt, dass ein wertschaetzender Umgang gut tut und einem normalen Tag  unerwartet Glanz verleiht.

Gemeindediakonin Annette Bernhard, Annweiler / Hofstätten


 

Tag 484: Sonntag, 11. Juli 2021

Überbietungswettbewerb

Tag 484 Überbietungswettbewerb

Bestimmt kennen Sie auch Menschen in Ihrem Umfeld die über volle Terminkalender ächzen. Ich kann das auch schon ganz gut. Manchmal scheint es mir zum guten Ton des Arbeitslebens zu gehören möglichst viel darüber zu sprechen, zu jammern wie viel man eigentlich zu tun hat. Oder mit anderen Worten: wie wichtig man selbst für das eigene Unternehmen, das eigene Umfeld usw. ist.

Hier an dieser Stelle möchte ich eine Lanze brechen für das Gegenteil. Ich freue mich darauf wieder sagen zu können: Ach gerade ist es entspannt. Und zwar mit reinem Gewissen. Ich glaube es tut uns gut, diese Zeiträume des Leerlaufes zu haben, zu nutzen zum entspannen, zur Erholung oder für Abenteuer:

Glück ist die Erinnerung an all die Abenteuer,
all diese verrückten, gefährlichen Dinge,
all die durchgemachten Nächte,
die uns zu besten Freunden machten.
Tom Sawyer und Huck Finn

Pfarrer Thomas Himjak-Lang Annweiler

 


 

Tag 483: Samstag, 10. Juli 2021

Tolle Wolle

483 tolle wolleIn der 1. Klasse bastelte ich Schafe, um das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lukas 15) zu vertiefen. Die Kinder beklebten Pappe, die sie in Schafform ausschnitten, mit echter Schafwolle. Sie waren begeistert, weil diese so kuschelig war. Ich gab ihnen den Tipp, die Wolle etwas auseinander zu zupfen, damit es nicht zu dick wurde und besser kleben sollte. Ein Mädchen konnte trotz dieses Hinweises gar nicht genug bekommen. Es musste dann hinterher jedoch feststellen, dass es zu viel des Guten war. Sie sagte dann: Frau Kaulartz, ich glaube, mein Schaf ist etwas  ÜBERFELLT.... Ja, ja, Kindermund ist manchmal belustigend und zu schön!

Ursula Kaularzt, Godramstein


 

Tag 482: Freitag, 9. Juli 2021

482 lachen aVon Hanns Dieter Hüsch, den ich bewundere, weil er das Schwere so wunderbar leicht sagen kann:

Ich bin vergnügt
Erlöst
Befreit
Gott nahm in seine Hände
Mein Zeit
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein Triumphieren
Und Verzagen
Das Elend
Und die Zärtlichkeit

Was macht dass ich so fröhlich bin
In meinem kleinem Reich
Ich sing und tanze her und hin
Vom Kindbett bis zur Leich

Was macht dass ich so furchtlos bin
An vielen dunklen Tagen
Es kommt ein Geist in meinen Sinn
Will mich durchs Leben tragen

Was macht dass ich so unbeschwert
Und mich kein Trübsinn hält
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
Wohl über alle Welt

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf


 

Tag 481: Donnerstag, 8. Juli 2021

Warum so wenig?

481 Worte meines Herzens BrudereckVor kurzem fragte mich eine Freundin, wieso wir in der Kirche so wenig über Körperlichkeit sprechen oder gar dafür beten, wenn unsere Religion doch so sinnlich ist. Überall in den Evangelien heißt es: Essen, Trinken, Umarmen, Lieben…

Ich habe darüber nachgedacht: Und sie hat Recht. Körperlichkeit ist ein Gottesgeschenk und so menschlich zugleich, dass es Gott sicher interessieren muss, wie es uns dabei geht. Aber ich persönlich finde es sehr riskant darüber in der Kirche zu sprechen. Es ist mir und den Menschen vielleicht zu intim, zu privat? Meinen Hörer*innen habe ich bisher nur die Worte: „Sexualität“ und „weinseliger Abend“ zugemutet. Mehr traue ich mich (noch) nicht. Die wundervolle Christina Brudereck schafft es mit Lyrik.

Hier für Sie ein Gebet aus Ihrem Buch „Worte meines Herzes: Gebete für Frauen“:

„Sex
Wenn es gut ist für mich,
dann ist es so,
als würde ich eine Verbindungstür zwischen zwei Räumen öffnen.
Die dann zum großen Einen werden.
Gott, zärtlicher Gott.
Weil es heute vielleicht geschieht,
wenn es heute geschieht,
dann möchte ich mich nicht verschließen.
Ich möchte genießen.
Nackt sein, außen und innen.
Meine Tür öffnen.
Und mich freuen im Raum des Glücks.“

Vikarin Almendra García de Reuter, Godramstein


 

Tag 480: Mittwoch, 7. Juli 2021

Profis in der Quadratwelt

480 xxxEr kommt auf die Welt mit leeren Händen. Er schaut sich um. Es ist eine bunte Welt mit vielen Bäumen und Hügeln, Seen und Bergen. Hühner und Schafe laufen umher. Er kann sich frei in der Welt bewegen, kann sich ein Haus bauen, findet Nahrung und viele verschiedene Lebewesen. Klingt wie die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel, ist aber ein Computerspiel namens „Minecraft“. Meine Kinder sind Profis in diesem Spiel, in dem die Welt aus Blöcken und Quadern besteht. In dieser Welt treffen sie sich online mit ihren Freunden – und spielen gemeinsam.

Wobei es in meinen Augen mehr ist als nur ein Computerspiel. Ein normales Spiel hat Spielregeln und folgt einem Spielverlauf, der auf ein Spielziel hinausläuft. In Minecraft gibt es kein Ziel, keine Spielregeln, keinen Spielverlauf. Es gibt nur die Welt, die Naturgesetze und die eigene Kreativität. Jeder kann das aus der Welt machen, was er will. Die Ressourcen in dieser Welt sind zwar begrenzt, aber mit dem, was da ist, bauen meine Kinder die tollsten Sachen: Ein unterirdisches Schwimmbad haben sie schon gebaut, eine Achterbahn, die in eine U-Bahn übergeht, Geheimgänge, Hühnerstall-Hochhäuser und eine Unter-Wasser-Farm … und eine Kirche! Die gehört für sie offenbar auch dazu – in ihre Welt.

Ich finde es faszinierend, wie viel schöpferisches Potential in meinen Kindern steckt. Aus dieser Welt, die eigentlich nur aus quadratischen Blöcken besteht, bauen sie die komplexesten Dinge. Die Welt trägt ihre Handschrift. In dem, was sie tun, bringen sie sich zum Ausdruck. Dabei teilen sie sich die Welt auch mit anderen und tauschen sich ständig darüber aus, wie ihre gemeinsame Welt aussehen soll. Eigentlich ein gutes Vorbild für die echte Welt, oder? Vielleicht hat Gott genau das gemeint, als er gesagt hat: „Ihr sollt die Erde bebauen und bewahren!“ Ich glaube, Gott hat jedem Menschen diesen schöpferischen Geist gegeben, damit jede und jeder in der Welt seine guten Spuren hinterlässt – im ständigen Austausch mit anderen. Vielleicht werden wir ja auch irgendwann Profis wie meine Kinder - nicht nur im Spiel, sondern Profis in der Welt, in der wir leben. Oder, was meint ihr?

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler