Tag 481: Donnerstag, 8. Juli 2021

Warum so wenig?

481 Worte meines Herzens BrudereckVor kurzem fragte mich eine Freundin, wieso wir in der Kirche so wenig über Körperlichkeit sprechen oder gar dafür beten, wenn unsere Religion doch so sinnlich ist. Überall in den Evangelien heißt es: Essen, Trinken, Umarmen, Lieben…

Ich habe darüber nachgedacht: Und sie hat Recht. Körperlichkeit ist ein Gottesgeschenk und so menschlich zugleich, dass es Gott sicher interessieren muss, wie es uns dabei geht. Aber ich persönlich finde es sehr riskant darüber in der Kirche zu sprechen. Es ist mir und den Menschen vielleicht zu intim, zu privat? Meinen Hörer*innen habe ich bisher nur die Worte: „Sexualität“ und „weinseliger Abend“ zugemutet. Mehr traue ich mich (noch) nicht. Die wundervolle Christina Brudereck schafft es mit Lyrik.

Hier für Sie ein Gebet aus Ihrem Buch „Worte meines Herzes: Gebete für Frauen“:

„Sex
Wenn es gut ist für mich,
dann ist es so,
als würde ich eine Verbindungstür zwischen zwei Räumen öffnen.
Die dann zum großen Einen werden.
Gott, zärtlicher Gott.
Weil es heute vielleicht geschieht,
wenn es heute geschieht,
dann möchte ich mich nicht verschließen.
Ich möchte genießen.
Nackt sein, außen und innen.
Meine Tür öffnen.
Und mich freuen im Raum des Glücks.“

Vikarin Almendra García de Reuter, Godramstein