Tag 447: Freitag, 4. Juni 2021

Grenzerfahrung

Tag 447 Grenzerfahrungen „Ist das ein Grabstein?“ Auf unserer Wanderung zur Burg Trifels fragen meine Kinder, was das für ein Stein sei mitten im Wald – ein Grabstein? „Das ist ein Grenzstein“, sage ich. Er steht schon lange hier. Er soll eigentlich zeigen, wo das Hoheitsgebiet des einen endet und das Hoheitsgebiet des anderen anfängt. Meine Kinder wissen in diesem Moment mit den Begriffen „Grenze“ und „Hoheitsgebiet“ nicht viel anzufangen. „Gut“, denke ich. Es gibt gerade so viele Grenzen, die das Leben einschränken. Gut, dass uns wenigstens diese alten Grenzsteine nichts mehr zu sagen haben.

Dennoch gibt es immer wieder Grenzerfahrungen: Ich merke, dass andere meine Grenzen überschreiten; ich bin nicht immer gut darin, anderen meine persönlichen Grenzen deutlich zu machen. Über meine Grenzen will ich nochmal in Ruhe nachdenken.

Heute jedenfalls gehen wir an diesen alten Grenzsteinen im Wald vorbei – und wissen: diese Grenzen gelten nicht für uns. Egal welche Grenzsteine und Grenzerfahrungen uns auf dem Weg begegnen, wir sind immer im Hoheitsbereich Gottes. Gottes Liebe ist wahrscheinlich das Einzige in der Welt, das wirklich grenzenlos ist. Und jeder Grenzstein ist ein Denkmal dafür, dass es für Gottes Liebe keine Grenzen gibt. Er ist auf dieser Seite des Waldes und auf der anderen. Und selbst wenn es ein Grabstein wäre: für die Liebe gibt es keine wirkliche Grenze, oder?

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler