Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 220: Dienstag, 20. Oktober 2020

Ehrfurcht vor dem Leben

220 BlattEhrfurcht - verstehen wir dieses Wort heute überhaupt noch? Die Ethik von der „Ehrfurcht vor dem Leben“ hat uns der Urwalddoktor Albert Schweitzer hinterlassen. In der letzten Woche habe ich ein paar Mal Zweifel bekommen, wie es mit der Ehrfurcht vor dem Leben bei uns aussieht.Da stand ich bei einer Trauerfeier mit einem Mann und dem Bestatter auf dem Ruheforst Ich fragte mich: Ist nicht jedes Leben es Wert, dass man es mit Würde verabschiedet. Da sagt der Mann, den ich gegen 11 Uhr am Telefon erreiche, um zum Geburtstag zu gratulieren: „Ich habe noch geschlafen, dann muss ich das Elend nicht so lang ertragen.“

Ehrfurcht vor dem Leben ?
Ich möchte staunen, wie wunderbar das Leben sein kann.
Voll Schönheit, die einen überwältigen kann:
Das Blatt im Herbstwald auf dem Wassertropfen malerisch funkeln.
Der unendliche, funkelnde Sternenhimmel.
Der Mensch, der denken und fühlen kann,
das Herz, das unermüdlich schlägt.
Klar, nicht immer ist das Leben wunderbar:
Menschen verletzen andere, Menschen zerstören Leben.
Es gibt Katastrophen, auch die, die nicht von Menschen gemacht sind.
Zum Leben gehören auch Leiden und Tod.
In diesem Spannungsfeld gestalten wir das Leben mit.

Der mich atmen lässt, bist du, lebendiger Gott,
der mich leben lässt bist du, lebendiger Gott,
der mich schweigen lässt, bist du lebendiger Gott,
der mich atmen lässt, bist du lebendiger Gott.
(Neue Lieder plus, Nummer 119)

Gemeindediakonin Annette Bernhard, Annweiler / Hofstätten


Tag 219: Montag, 19. Oktober 2020

Zwischen Meer und Land …

219 Strand… genau dazwischen liegt der Strand. Weder ganz im Meer noch ganz an Land. Strand eben.

Daneben das Meer – ständig in Bewegung. Durch das Meer verändert sich auch der Strand. Sieht nie gleich aus. Das Land hingegen ist beständig, steht fest, fast starr.

Am Strand spüre ich den Boden unter den Füßen – fest und doch gibt er nach. Ich kann einen Abdruck hinterlassen, der bleibt – und doch nicht. Schon bei der nächsten Wellle verschwindet er – vielleicht, kommt auf die Welle an. Wenn ich am Strand spazieren gehe, dann bin ich ganz im Jetzt.

Tag 218: Sonntag, 18. Oktober 2020

Neuer Morgen

Tag 218 Neuer Morgen

„Jeder neue Morgen ist ein neuer Anfang unsers Lebens. Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes.“ Dietrich Bonhoeffer

An jedem neuen Tag liegt es an jeden einzelnen von uns, was wir daraus machen. Egal was gestern gewesen sein mag, heute ist ein neuer Tag und heute kann ich es besser, kann ich es anders machen. Meine Gemeinde und viele evangelische Gemeinden hören heute als Predigttext Worte aus dem Epheserbrief, Kapitel 4: zieht den neuen Menschen an.

Tag 217: Samstag, 17. Oktober 2020

Einsehen

217 worldpeaceDa muss ich mich verhört haben. Verstört flitze ich vom Radio an den PC. Leider nein: In der Pressemeldung ist es schwarz auf weiß zu lesen: 400 Polizisten haben bei einem Großeinsatz in Süddeutschland 17 Wohnungen und ein Waldstück durchsucht. Der Einsatz richtete sich gegen eine Gruppe Menschen, die bewaffnet und in Wehrmachtsuniform im Wald Krieg gespielt haben sollen.

Tag 216: Freitag, 16. Oktober 2020

So gesehen

216 hundeperspektiveIst das ein besonders dicker Baumstamm oder ein besonders kleiner Hund? Ich verrate es Ihnen: Keines von beiden. Es handelt sich um einen recht ansehnlichen, aber normalen Baumstamm und einen recht ansehnlichen, aber normalen Hund. Unser Gehirn kriegt die Perspektive nicht zusammen. Das Auge täuscht uns, weil es keine objektiven Anhaltspunkte findet.

Tag 215: Donnerstag, 15. Oktober 2020

Die Schatz-Frage in der Palliativstation

Tag 215 Schatzfrage

Einmal die Woche darf ich beim Seelsorger in der Palliativstation hospitieren. Ein multiprofessionelles Team von Ärzt*innen, Pflegekräften, Psychologin, Physiotherapeutin, Sozialarbeiterin und Ehrenamtlichen bespricht den Verlauf der Krankheit der Patient*innen auf der Station: Wer ist bei uns? Was liegt vor? Was wird gebraucht?

Tag 214: Mittwoch, 14. Oktober 2020

Kompliment für einen Hornochsen

Tag 214_Hornochsen

„Du Hornochse!“ Das ist eine Beleidigung – für sture Menschen. Hornochse deshalb, weil er angeblich unsensibel ist, grob, unflexibel und einfach dickköpfig. „Wie wenn ich einem Ochsen ins Horn petze!“, kommt oft nach als Erklärung hinterher. Das stimmt: Der Ochse spürt seine Hörner nicht. Und das ist gut so. Denn die Hörner sind natürlich auch dazu da, andere nicht so nah an sich ran zu lassen.


Aber warum muss „Hornochse“ eine Beleidigung sein? Er war doch Jahrhunderte lang der wichtigste Mitarbeiter des Menschen. Er hat das Feld gepflügt, das Korn gedroschen - und er war unersetzlich mit seiner Kraft und seiner Geduld. Wer keinen Ochsen hatte, war arm dran.


Sogar Gott macht dem Hornochsen ein Kompliment! In der Bibel steht: „Ein Ochse kennt seinen Herrn.“ (Jesaja 1,3) Das heißt: ein Ochse ist treu und ein sehr hilfsbereites Tier. Darum ist er auch in unserer Weihnachtskrippe dabei – als Heizung und Bodyguard. Außerdem: Ein Ochse vergisst nicht. Er wird zwar oft als eigensinnig und dickhäutig wahrgenommen. Aber er kann eine Menge tragen und ertragen. Und seine Hörner hat er genau deswegen – damit niemand seine Geduld und Hilfsbereitschaft ausnutzt.


Bei manchen Menschen ist das übrigens genauso: Auch wenn jemand auf den ersten Blick dickhäutig und unsensibel wirkt, verbirgt sich dahinter oft ein treues und hilfsbereites Wesen, das viel ertragen kann. Vielleicht habt ihr Glück und trefft bald mal wieder einen. Dann macht ihm doch mal ein Kompliment!


Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler