Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 348: Donnerstag, 25. Februar 2021

Ich bin dann mal weg!

348 AbschiedIch verabschiede mich nicht gerne. Denn: Sich von etwas oder jemandem zu verabschiedenen fällt mir schwer.

Liegt vielleicht daran, dass im Menschen auch ein kleiner Klammeraffe schlummert. Bei Gefahr oder Ungewissheit, wird sich einfach im vertrauten Fell der Mutter festgeklammert. Ein Urreflex also. Nun haben Menschen meist weniger Fell, aber emotional gesehen, suchen und festigen wir Bindungen, fühlen uns in der Routine wohler als bei Abschied und Neubeginn.

Aber: Wer zu viel klammert, verkrampft, verspannt, blockiert sich. Und: Abschiede gehören zum Leben dazu. Das ist auch gut so, denn: Nur wer loslässt, hat die Hände frei für etwas Neues.

Das erinnert mich an eine Übung gegen Verspannungen. Zuerst: Hinstellen. Bewusst atmen. Schultern locker lassen, loslassen. Dann: Die Arme zur Decke strecken. Sich langmachen und: Äpfel pflücken.

In der Bibel gibt es auch fürs Abschiednehmen und Neubeginnen eine kleine Übung. Funktioniert so ähnlich wie Äpfel pflücken:

  1. Bleib immer offen für die Zukunft! Denk nie Du bist schon fertig.
  2. Setz Dir ein Ziel!
  3. Lass los, was hinter Dir ist – nimm Dir dafür Zeit.
  4. Und dann: Streck Dich nach dem aus, was vor dir liegt.

Dort gibt es in jedem Fall etwas zu holen!

Pfarrerin Jasmin Coenen, Albersweiler

Mit dieser Gut-Tu-Nachricht verabschiede ich mich aus dem Team der Autor*innen.

Tag 347: Mittwoch, 24. Februar 2021

Das Kamikaze-Huhn

Tag_347_Kamikaze

Nein! Das tut man doch nicht! 

Seit einigen Tagen beobachte ich es. Meistens mittags rennt es durch den Garten. Über die Mauer kommt es. Ganz selbstverständlich flattert es aus dem eigenen Garten heraus und tut sich gütlich an allem, was es so findet. Die eigenen Hühner meiner Vermieter dagegen müssen sich mit ihrem umzäunten Areal zufriedengeben. Das fremde Huhn aber, das stolziert um den Zaum herum, pickt wo es will und abends verschwindet es wieder über die Mauer, zurück in den eigenen Stall. 

Nein, sowas tut man doch nicht. Das ist es, was mein Anstand mir sagt. Man geht nicht einfach in fremde Gärten. Man pickt sich nicht einfach nur das Beste heraus und überlässt den anderen den Rest. Wenn das alle tun würden?! Ja ... dann gäbe es den Rest für alle und das Beste auch für alle, nur eben zu kleineren Portionen. 

Ich glaube vielen stehen in einem ähnlichen Konflikt. Zwischen dem eigenen Anstand, dem was für die Gesellschaft als Normativ gilt und der Bereicherung für einen selbst. Natürlich hat die Bibel dazu kluge und weise Ratschläge: Bemühe dich nicht, reich zu werden; da spare deine Klugheit! Sprüche 23,4 

Aber wie so oft mit klugen Ratschlägen gilt auch hier: Ratschläge sind auch Schläge. Manchmal möchte ich auch so sein, wie das fremde Huhn, einfach unverfroren mir das Beste aus den Gärten anderer aussuchen. Einfach frech sein und mal schauen was passiert. Und Sie? 

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Annweiler


 

Tag 346: Dienstag, 23. Februar 2021

Spielraum

346 SpielraumWer am Aschermittwoch angefangen hat, wird mit dem heutigen Dienstag eine der „7 Wochen ohne“ geschafft haben. Glückwunsch! Solche Fastenzeiten gibt es ja in vielen Religionen: Für Muslime im Monat Ramadan. Für Juden am Versöhnungstag Jom Kippur. In der Orthodoxen Kirche vier mehrwöchige Zeiten im Jahr. Oft war mit strengen Geboten die Vorstellung verbunden, sich Verdienste vor Gott zu erwerben. Dagegen wehrte sich die Reformation. So war das Fasten in der evangelischen Kirche lange unüblich und kam es tatsächlich erst vor knapp 40 Jahren zur Aktion der „7 Wochen ohne“. Nun kommt das Wort fasten aus dem Althochdeutschen und bedeutet festhalten, beobachten. Ja: Wer fastet, beobachtet sich selbst und nimmt auch anderes bewusst in den Blick. Das kann gerade in diesen Tagen gelingen! Und statt „7 Wochen ohne“ können es ja auch „7 Wochen mit“ werden. Nutzen wir den Spielraum!

Gemeinsam, guter Gott, sind wir stark.
So löse uns von dem, was uns beschwert,
und schenke Zuversicht und Kraft,
an der wir uns festhalten können.
Wandle in Weite, was uns beugt und lähmt,
und nimm uns mit auf deinen Weg ins Leben.
Amen.

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein


 

Tag 345: Montag, 22. Februar 2021

Zeichen

345 frühlingVor acht Tagen: -10°C,
Frost, Schnee, eisiger Wind...
Gestern: +20°C;
Licht, Wärme, Blüten, Knospen...

Einatmen, durchatmen, aufatmen...
Es geht weiter, es wird heller, es geht hinaus.
Der Winter weicht.

Ein größeres Hoffnungszeichen gibt es nicht.
Die Kraft des Lebens bricht sich Bahn.

Das will Gott.
Das schenkt Gott:
Licht. Leben. Hoffnung.

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf


 

Tag 344: Sonntag, 21. Februar 2021

Gute Landung!

Tag 344 Landung

Wisst ihr was ein „Stall“ ist? Auf deutsch: Strömungsabriss. Das gibt’s beim Fliegen oder beim Segeln. Und das versuchen Piloten tunlichst zu vermeiden. Denn ein Strömungsabriss ist, wenn sich die Flügel von der Luftströmung ablösen, also wenn die Tragflächen keinen richtigen Kontakt zur Strömung mehr haben. Dann geht der Auftrieb verloren.

So wie bei mir am Wochenende: Wenn ich die ganze Woche in meinen Abläufen drin bin, Frühstück, Arbeit, Homeschooling, Kochen, Gassi gehen, Zoom-Konferenz, Essen, Kinder baden, Fernsehen, Schlafen – und wieder von vorn… Ich lass mich antreiben im Alltag, stehe unter Strom. Und spätestens am Sonntag kommt bei mir der Strömungsabriss, wenn der Druck abfällt. Und dann passiert, was auch beim Flugzeug passiert, wenn die Strömung abreißt: Es kommt zu Turbulenzen; denn das Gefühl, frei über die Zeit entscheiden zu können, ist auf einmal neu und ungewohnt.

Vögel zum Beispiel nutzen den Strömungsabriss ganz bewusst zum Landen, um runter zu kommen, um mit den Füßen auf den Boden zu kommen – dazu drehen sie die Flügel so, dass die Strömung abreißt.
Eigentlich schlau: sich mal ausklinken, mal wieder Bodenhaftung bekommen, einmal in der Woche landen – bei mir, bei dem, was mir wichtig ist, oder bei Gott. Euch allen eine sichere Landung!

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler

 


 

Tag 343: Samstag, 20. Februar 2021

Backen wie Gott

Tag 343 Backen

Schönheits-OPs sind durch die Corona-Krise laut Medienberichten vermehrt auf der Tagesordnung. Ständige Video-Konferenzen führen dazu, dass viele sich ständig selbst auf dem Bildschirm sehen und kritisch betrachten. Darüber hinaus ist auch einfach mehr Zeit da, um sich mit Äußerlichkeiten zu beschäftigen. Menschen mit gesichertem Einkommen, die ihre Reisekasse derzeit nicht plündern können, erfüllen sich ihre „Verschönerungswünsche“ und unterziehen sich einer ästhetischen Chirurgie. Es sind zum größten Teil Frauen und in den allermeisten Fällen werden die OPs gegenüber Freunden und Kolleg*innen verschwiegen. Es liegt mir fern All dies zu verurteilen. Eine OP würde bei mir dennoch nicht in die Tüte kommen, dafür bin ich zu schmerzempfindlich und meine Haut neigt zur Narbenbildung. Außerdem habe ich mich selber dabei ertappt, viel mehr Schminkprodukte als sonst gekauft zu haben. Neulich habe ich sogar den Youtube-Kanal „Mission Beautiful“ abonniert. Dort habe ich über die „Baking“-Schmink-Technik erfahren. Der Name kommt daher, dass sich der aufgetragene Puder durch Körperwärme mit der Abdeckcreme verbindet und diese sozusagen „backt“. Diese „Back-Methode“ verspricht eine langanhaltende Schönheit…

Vielleicht brauchen manche von uns das alles, weil wir uns beim Blick auf den Bildschirm oder in den Spiegel wie ein nicht so recht gelungener Kuchen fühlen – weit weg von den schönen Bildern in Zeitschriften. Doch Gott sieht uns an, freut sich an unseren persönlichen und einzigartigen Gesichtszügen und an unserem individuellen Ausdruck. Ob mit oder ohne OP und Schminkzeug, die Hauptsache ist, dass wir aus Gottes Sicht wundervoll gemacht sind. (Ps 139,14). Den Rest kriegen wir auch gebacken!

 Vikarin Almendra García de Reuter, Landau - Godramstein


 

Tag 342: Freitag, 19. Februar 2021

Die zwei Seiten einer Medaille

Tag 342 Winterwald

Wir waren wandern. Der Dimbacher Bundsandstein-Höhenweg stand auf dem Programm. Ein Premium- Wanderweg, dessen Name mich hätte warnen müssen. Gleich nach dem Start ging es kompromisslos bergauf. Ohne Vorwarnung kam ich außer Puste. Hechelte meiner Frau hinterher, wie immer, wenn wir uns bewegen. Ob zu Fuß, mit dem Rad und auch beim Autofahren – sie ist immer vorne. Ich grübelte darüber, wie schnell man (also ich!) im Alter seine Kondition verliert. Ich ärgerte mich, weil ich es wieder soweit hatte kommen lassen mit den unnötigen und peinlichen Pfunden. Ich trauerte meiner Trittsicherheit nach, die allerdings nie so richtig im Leben dagewesen ist. Ich hörte in mich hinein und überlegte, ob mein Puls überhaupt noch messbar sei. Ich sah mich alle paar hundert Meter ausrutschen auf einer tückischen Eisfläche. Und ab und zu meldete sich meine verzweifelte Lust auf Dubbeglas und Rieslingschorle und ich bedauerte mich noch mehr, weil beide nicht möglich waren.


Ich will es kurz machen. Nach über drei Stunden war der Rundweg beendet. Und die Fotos, die ich aufgenommen habe, zeigen eine betörend schöne Winterlandschaft. Herrliche Felsformationen, lehrreiche Hinweistafeln an markanten Punkten. Glitzernder Schnee im Gegenlicht. Großartige Rundblicke über eine der schönsten Landschaften der Welt. Und da war noch viel mehr: Die Ruhe im Wald. Das so selten gewordene Knirschen im Schnee. Klare Luft zum Durchatmen. Die ersten Vogelstimmen, die den Frühling andeuten …


Der Muskelkater am nächsten Tag hat mich an eine wunderbare Wanderung erinnert.Bei der nächsten Tour konzentriere ich mich gleich auf die schönen Seiten. Ich werde genießen. Auch ohne Rieslingschorle werde ich mich daran erinnern, dass das Glas immer halbvoll ist. Mindestens.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt