Tag 183: Sonntag, 13. September 2020

Unkraut oder Rose?

183 Scharon RoseIm Hof, zwischen den Zementplatten wächst Unkraut. Ich habe es nicht rechtzeitig weggemacht. Meine Nachlässigkeit. Mein Fehler. Es lässt sich jedenfalls nicht wieder gut machen. Denn aus dem Wildkraut sind nun starke Pflanzen geworden. Aus einem der Stöcke ist neulich sogar eine Blume herausgewachsen. “Ob Gott mir damit etwas sagen möchte? Und wenn ja, was? Bloß nicht überschnappen!“, antworte ich mir selbst. “Gott spricht mit mir bestimmt nicht durch jede Pflanze. Schon mal gar nicht durch Unkraut, das Ergebnis meiner Nachlässigkeit, meines Fehlers…” Das Ganze habe ich im Verlauf der Zeit lieber verdrängt und weggeschaut.

 

Gestern jedoch habe ich eine Unterhaltung zwischen zwei Freundinnen gehört. Die eine bedankte sich bei der anderen für ein Geschenk: eine “Rose von Scharon”. Es sei eine biblische Pflanze. Und sie solle die beschenkte Frau daran erinnern, wie wertvoll und besonders die Freundin trotz ihres Versagens ist.

“Eine Rose von Scharon?”. Noch nie gehört! Ich habe gleich im Internet danach gesucht und herausgefunden: Es handelt sich nicht um eine wirkliche Rose, sondern um eine Art Hibiskus-Blüte. Und in der Bibel steht, auf Hebräisch, wörtlich übersetzt etwas wie “sprießende Zwiebel”. Luther übersetzte Rose. Ein Fehler? Eine Nachlässigkeit? Als ich jedenfalls das Bild dieser Blume gesehen habe - die vermeintliche Rose -, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Es ist exakt die gleiche Blume, die im Hof als Unkraut zwischen den Platten wächst. Ich bekam eine Gänsehaut. „Ob Gott mir doch etwas damit sagen möchte? Und wenn ja, was?“ Vielleicht das: „Ich lasse aus Fehlern und Nachlässigkeiten etwas Außergewöhnliches entstehen.“ Gott ist vielleicht hartnäckig! Er bleibt dran, bis ich und Sie aufhören, unser Versagen zu verdrängen und endlich richtig hinzugucken.

Suchen Sie bei sich, ob sie auch diese “Rose von Scharon” im Garten oder in den Feldern entdecken. Falls Sie keine finden sollten, senden Sie mir eine Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Ich schenke Ihnen gerne eine. Denn heute Morgen, als ich den Stock genauer angeschaut habe, merkte ich: Er ist voller Blüten.

Vikarin Almendra García de Reuter
freut sich über Rückmeldungen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!