Tag 175: Samstag, 5. September 2020

Einsatz

Lima, Hauptstadt von Peru, im Januar 2020. Ich war zu Gast in meiner anderen, früheren Heimat.

Mitten in der Fußgängerzone traf ich den TV-Komiker meiner Kindheit. Ich glaubte meinen Augen nicht. Er saß fast erblindend im Rollstuhl. Er wirkte dafür sehr fröhlich und verkaufte auf der Straße CD´s. Sein Anblick machte mich traurig und ich dachte: „Wie ungerecht ist das peruanische Sozialsystem! Wieso bekommt er keine gute Rente? Oder hat er womöglich nicht für sein Alter gespart?“.

Ich näherte mich ihm und kaufte eine CD. Er bedankte sich und ich antwortete: „Ich habe bei Ihren Witzen so viel gelacht.“ Er rief mir voller Stolz zu: „Klar, ich kenne dich doch von Kindesbeinen an.“ Ich erstarrte. Das war doch unmöglich, wir waren uns noch nie persönlich begegnet. Oder war diesem Komiker doch bewusst, wie heilsam sein Humor für so viele Kinder wie mich damals war? Wie sein Einsatz uns oft vor Sorgen und Kummer schützte? Konnte er das in meinem Blick auch heute noch erkennen? Oder war er vielleicht nur dement geworden? Der letzte Gedanke machte mich noch trauriger. Er winkte mich plötzlich zu sich und flüsterte mir ins Ohr: „Nicht traurig sein, Christus kommt.“ Wir lachten uns beide an und verabschiedeten uns.

Ich traute meinen Ohren nicht. Was war in ihn gefahren? Jesus Christus mitten in der Fußgängerzone zu erwarten? War der alte Komiker jetzt auch noch Missionar? Keine Ahnung! Und doch: Wie heilsam war sein Einsatz heute noch. Auch in Sorge und Kummer konnte dieser Mensch Freude ausstrahlen und damit bezeugen: Die Wiederkehr Christi ereignet sich im Herzen der Menschen. Schon jetzt.

Vikarin Almendra Garcia de Reuter, Godramstein

Passend zum Wort „Christus kommt“ ein Musik-Tipp aus Lateinamerika: https://www.youtube.com/watch?v=azHYAg9Ax_4