Tag 165: Mittwoch, 26. August 2020

Zur Ehrenrettung der Schnecke

165 SchneckeSchnecken haben ein schlechtes Image. Wer im „Schneckentempo“ arbeitet oder sich bewegt, ist zu langsam. Wer „zur Schnecke gemacht“ wird, also eingeschüchtert wird, zieht sich ängstlich zurück. Schnecken im Garten sind des Gärtners Verdruss und viele finden eine Nacktschnecke eklig, weil sie so schleimig ist. Dabei sind Schnecken doch viel besser als ihr Ruf. Zur Ehrenrettung der Schnecken hier eine unvollständige Aufzählung, worum ich eine Schnecke beneide:

 

  • Sie hat immer ihr Haus dabei, in das sie sich zurückziehen kann bei Gefahr und bei Kälte.
  • Sie baut ihre Straßen selbst und kann sich sicher und geschmeidig darauf bewegen. Eine hektische Überholspur ist nicht vorgesehen in ihrem Mobilitätskonzept.
  • Mit einem der beiden Fühlerpaare wittern Schnecken ihre Nahrung bis auf 100 Meter Entfernung.
  • Ein chinesisches Sprichwort sagt: Wie sich das Schneckenhaus auch windet, die Schnecke findet stets heraus.

Von der lahmen Schnecke können die schnellen Menschen viel lernen. Denn „der Weg des Menschen in sein Inneres ist wie bei einer Schnecke, spiralförmig“ (Stanislaw Jerzy Lec) und „Mit Ausdauer erreichte die Schnecke die Arche“ (Charles Haddon Spurgeon). Nur einen Nachteil haben Schnecken: Es gibt kein Bibelwort über sie.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt