Tag 161: Samstag, 22. August 2020

Gesucht – und gefunden 

161 engelWenn die zu schreibende Gut-Tu-Nachricht näher rückt, mache ich mich auf die Suche nach einem kleinen Text. Manchmal, da bin ich mir sicher, sucht so ein Text auch mich. Bevor ich jetzt lang und breit erkläre, wie ich das meine, lasse ich einfach den „Engel der Langsamkeit“ (von Jutta Richter) zu Wort kommen, der mich diese Tage gefunden hat:

 

Ein Engel hat immer für dich Zeit, das ist der Engel der Langsamkeit.
Der Hüter der Hühner, Beschützer der Schnecken,
hilft beim Verstehen und beim Entdecken,
schenkt die Geduld, die Achtsamkeit,
das Wartenkönnen, das Lang und das Breit.

Er streichelt die Katzen, bis sie schnurren,
reiht Perlen zu Ketten, ohne zu murren.
Und wenn die Leute über dich lachen
und sagen, das musst du doch schneller machen,
dann lächelt der Engel der Langsamkeit
und flüstert leise: Lass dir Zeit!
Die Schnellen kommen nicht schneller ans Ziel.
Lass den doch rennen, der rennen will!

Er sitzt in den Ästen von uralten Bäumen,
lehrt uns den Wolken nachzuträumen,
erzählt vom Anbeginn der Zeit,
von Sommer, von Winter, von Ewigkeit.
Und sind wir müde und atemlos,
nimmt er unseren Kopf in seinen Schoß.
Er wiegt uns, er redet von Muscheln und Sand,
von Meeren, von Möwen und vom Land.

Ein Engel hat immer für dich Zeit, das ist der Engel der Langsamkeit.
Der Hüter der Hühner, Beschützer der Schnecken,
hilft beim Verstehen und beim Entdecken,
schenkt die Geduld, die Achtsamkeit,
das Wartenkönnen, das Lang und das Breit.

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein