Tag 111: Freitag, 3. Juli 2020

Wie ein Neugeborenes

110 Wie ein Neugeborenes

Ich erinnere mich nicht daran, als Kind irgendwelche Probleme beim Schlafen gehabt zu haben. Ich habe im wahrsten Sinne geschlafen wie ein Baby. Biblisch ausgedrückt: Wie in Abrahams Schoß. Erst in den letzten Jahren habe ich kennengelernt, wie es sich anfühlt, nicht schlafen zu können.

Wenn die Gedanken kreisen, wenn es einfach zu viel wird. Wenn ich das Gefühl habe, den Anforderungen, die von außen an mich herangetragen werden, nicht mehr gerecht werden zu können. Diese Erfahrung gehört wohl zu den ersten Berufsjahren einfach dazu; genauso, dass es auch wieder besser wird.

Von einem guten, ruhigen Schlaf konnten viele im April oder Mai nur träumen. Angst machte sich breit und vielleicht wurde auch das ein oder andere Stoßgebet gen Himmel geschickt. Gefühlt wurde es zwar in den letzten Wochen besser, mit Blick in die weite Welt wird aber schnell klar: wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Ich verstehe Gottvertrauen grundlegend als ein Blick ins Leben, in die Zukunft, der besagt: es wird schon gut werden. In dieser Gelassenheit und Zuversicht muss ich mich noch lange üben, meine Großeltern sind da schon viel, viel weiter als. Obwohl Risikogruppe, schauen sie ganz entspannt in die Zukunft. Ich glaube, von Menschen, die schon Schlimmes in ihrem Leben durchmachen mussten, lässt sich für uns, für unsere Gesellschaft, noch einiges an Gottvertrauen, an Gelassenheit lernen.

 Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Böchingen