Tag 106: Sonntag, 28. Juni 2020

Gegenüber gebraucht

In Zeiten von Corona ist mir so manches nochmal klar geworden. Zum Beispiel:

Es gibt erstaunlich viele Dinge, die man ganz gut allein tun kann. So weit, so gut. Aber: Es gibt auch Dinge, die man auf gar keinen Fall allein tun kann.

1. Umarmen. Na gut, geht schon. Fühlt sich aber irgendwie nicht so gut an.
2. Seine (Lebens-)Geschichte erzählen. Erzählen vielleicht schon. Aber echt wird sie erst, wenn jemand zuhört.
3. Versteck spielen ist allein ziemlich doof. Denn eigentlich will man ja doch irgendwann gefunden werden.
4. Sich trösten. Man kann sich schon allein Mut, Hoffnung oder Zuversicht zusprechen, aber Trost, den muss man manchmal eben auch von außen zugesagt bekommen.
5. Händchenhalten – geht noch weniger allein als umarmen.

… und da ist noch so viel mehr. Ja, manchmal brauchen wir eben mindestens ein Gegenüber. Das war schon immer so. Das hat schon Gott gewusst – ganz am Anfang. Deshalb hat er uns nicht allein in die Welt gesetzt. Gott sei Dank!

Und Gott sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm ein Gegenüber machen, das um ihn sei. (nach 1. Mose 2,18)

Pfarrerin Jasmin Coenen, Albersweiler