Tag 96: Donnerstag, 18. Juni 2020

Profilbild 

96 Profilbild2Früher war es einfach: Ein Profilbild brauchte man für den Personalausweis. Ein Passfoto vom Gesicht, das mit den Jahren vergilbte. Und irgendwann war die Person auf dem Bild nicht wiederzuerkennen. Auch gab es die Streckenprofile bei der „Tour de France“ und die Täterprofile in jeder Aufzeichnung von „Aktenzeichen XY… ungelöst“.

 

Und jetzt: Profilbilder in den sozialen Medien. Facebook, Twitter, Linkedin, Instagram und WhatsApp… überall tauchen Profilbilder auf. Doch was wird da alles gepostet: Ein geschöntes Gesicht, die Umarmung mit dem Freund, Schmusen mit dem Hund, das halbleere Weinglas auf Mallorca. Schöne Landschaften, die verraten, wo der letzte Urlaub stattfand und mit wem man dort war. Coole Sprüche, bedenkliche Sprüche, nichtssagende Sprüche.

Manche Profilbilder würden vergilben, wenn sie nicht digital wären. Andere Profilbilder werden ständig ausgetauscht. Das verrät schon einiges über die User.
Profilbilder lassen manchmal tief blicken: Ist die Person selbstverliebt? Sozial engagiert? Lebenslustig? Wichtig und beschäftigt? Kunstinteressiert? Woran denkt sie gerade? Was ist ihr wichtig? Steckenpferde? Hobbys? Wir senden mit Profilbildern Botschaften. Wir offenbaren viel von uns. Mit voller Absicht oder unbewusst.

Übrigens: Christen sind so etwas wie Profilbilder des Glaubens. 2. Kor. 3, 3: „…ihr seid ein Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern von dem Geist des lebendigen Gottes…“

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt