Tag 93: Montag, 15. Juni 2020

Weißes erkennt man besser, wenn man Schwarzes dagegenhält.

93 andersIn manchen Straßen gibt es dieses eine Haus, dieses eine, das aus der Reihe tanzt. Alle halten sich an einen ähnlichen Baustil, nur das eine nicht. Und die Farbe erst … gelb, grün oder sogar blau. Die Nachbarn tuscheln schon, aber so gibt es zumindest ein Gesprächsthema. Naja, dieses eine Haus fällt zumindest auf. Es sticht aus der Masse heraus, und es ist okay.

 

In der Unterschiedlichkeit, im Kontrast fällt so einiges viel deutlicher auf. Zum Problem wird es erst, wenn das Andersartige negativ auffällt, wenn das Andersartige allein wegen des anders Seins abgelehnt wird. Vielleicht ist es schon fragwürdig, dass diese Unterschiedlichkeit so sehr in den Blick fällt, solange es nur beim Auffallen, beim Erkennen bleibt. Aber mit der Bewertung wird es schon kritisch. Vor einigen Monaten fiel bei einer Fortbildung der Begriff der Ambiguitätstoleranz. Die Fähigkeit andere Meinungen zu tolerieren, das Andere zu akzeptieren. Es lässt sich ganz leicht überprüfen und ist doch so schwer einzuhalten. Probieren Sie mal das „Ja, aber“ in einer Diskussion weg zu lassen. Ein Gespräch zu führen ganz ohne „aber“.

Unterschiede sind erkennbar und gut. Unterschiede bereichern unser Leben. Nicht nur bei den unterschiedlichen Weinsorten und ganz verschiedenen Gerichten.

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Böchingen