Tag 79: Pfingstmontag, 1. Juni 2020

„I can‘t breathe“ – Ich kann nicht atmen

79 atemnot2Der eine, der das hervorpresst, liegt unter der Beatmungsmaske. Der andere - ein Farbiger - unter dem Knie eines weißen Polizisten. Der eine ist vom Tode bedroht, kann womöglich gerettet werden. Der andere kommt zu Tode - keine Chance. Der eine ist Opfer eines Virus. Der andere Opfer von Polizeigewalt und Rassismus. Das eine kommt über die Menschheit als Naturgewalt. Das andere ist ein rein menschengemachtes Problem.

 

Es ist wichtig wahrzunehmen, dass es in dieser Zeit noch etwas anderes gibt, als Corona. In meinen Augen sogar Schlimmeres. Das Corona-Virus denkt nicht. Es entscheidet nicht. Es handelt nicht. Es kann nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Es ist einfach da. Rassismus gibt es nur, weil Menschen rassistisch denken, rassistisch entscheiden, rassistisch denken – und hoffentlich zur Rechenschaft gezogen werden. Rassismus ist das stärkste tödliche Gift für die Menschheit.

Das Virus können wir gegenwärtig nur passiv bekämpfen: durch Hygiene- und Abstandsregeln. Gegen Rassisten können und müssen wir aktiv vorgehen: wachsam sein, aufspüren, benennen und zur Rechenschaft ziehen. Damit wir atmen können.

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf