Tag 72: Montag, 25. Mai 2020

 Zwischenruf (tut auch mal gut)!

72 taube maske2Jetzt hat es mich doch erwischt. Ich bin geknickt. Es ist nicht nur Trauer, es ist nicht nur Verärgerung, es ist keine Ratlosigkeit. Ich bin einfach geknickt, weil ich mit einem bestimmten Denken und Handeln nicht einverstanden bin:

 

  • Da bezeichnen Menschen die Schutzmaßnahmen während der Corona-Krise für übertrieben. Sie tragen keine Masken, sie halten keinen Abstand, „ist doch alles Quatsch“, was die Experten sagen.
  • Da demonstrieren Menschen gegen die Beschränkungen, als ob es nicht um den Schutz derer ginge, die bei einer Ansteckung ernsthaft gefährdet sind. „Ist mir doch egal, was mit den anderen passiert“. So geht Egoismus. Und der tarnt sich noch als Retter der Grundrechte.
  • Da entwickeln Menschen Verschwörungstheorien über die Entstehung der Pandemie und pflegen doch nur obskure Vorbehalte, meist aus dem rechten politischen Lager stammend.
  • Da versäumen Landeskirchen auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Gottesdiensten hinzuweisen. Berechtigte Sorgen? Übertriebene Ängstlichkeit? Oder Selbstzweifel an Sinn und Struktur der Gottesdienste? So richtig es war, die Gottesdienste auszusetzen, so wichtig ist es, verantwortlich wieder Gottesdienste zu feiern. Face to face, von Angesicht zu Angesicht. In der Kirche. Die Apostel „hörten nicht auf…zu lehren und zu predigen…“ (Apg. 5,42). So erst konnte das Christentum überleben.

Ach ja: der Heilige Geist. Der half natürlich mit, dass es weiterging. Hoffentlich tut er das auch in unseren Tagen.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt