Tag 67: Mittwoch, 20. Mai 2020

Der Hund muss raus ...

67 spaziergang... und ich auch. Raus aus den vier Wänden. Also drehen wir eine Runde.

Es ist ein wunderschöner Morgen. Im Schatten der Nußbäume streichelt der Windhauch angenehm kühl meine Wangen. Komme ich in die Sonne, ist‘s wohlige Wärme. Weiße Flocken queren meinen Weg wie Schnee. Irgendwelche Samen. Mein Auge sieht nur Grün, Grün, Grün. Und dazwischen Pinseltupfer von Klatschmohn-Rot, Butterblumen-Gelb, Kornblumen-Blau.

 

Tief atme ich ein. Von dort drüben weht die süß-herbe Note des Holunders herüber. Hier betören die Heckenrosen meine Nase. Und wissen Sie, wie frisch gemähtes Gras riecht? Genau so riecht für mich der Frühsommer. Ganz anders als das Heu vom Vortag auf der Wiese. Da liegt ein Hauch von Waldmeister in der Luft.

Da! Dort drüben staksen fünf Störche. Und noch zwei setzen majestätisch zum Landeflug an. Großartig! Im Baum über mir schlägt ein Taubenpärchen heftig mit den Flügeln. Die Krähe auf dem Weg macht, dass sie davon kommt. Überhaupt die Vögel: Wie sie mir in den Ohren liegen! Der Buchfink schmettert wieder und wieder seine kurze Strophe, die Melodie der Mönchsgrasmücke vollführt in einem fort Kapriolen, die Nachtigall ziiieeht und ziiieeht und flötet und juchzt und trillert. Und ganz weit weg: ein Kuckuck.

Und dann wehen Glockenklänge über die Flur. Aus unterschiedlichen Richtungen. Genau bei mir scheinen sie sich zu vereinen. Es ist elf Uhr. Gebetszeit. Ich halte inne und bete mit einem einzigen Wort: Danke!

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf