Tag 54: Donnerstag, 7. Mai 2020

Vorsicht – Rücksicht – Zuversicht

54 leiterIch bin nicht schwindelfrei. Leider. Als wir bauten, traute ich mich nicht über die Gräben um den Rohbau. Da stellte mein Schwiegervater eine Leiter neben die Dielen in die Baugrube hinein. Und siehe da: Es ging. Ich konnte sogar mit dem Schubkarren über die dünnen Bretter laufen. Die Leiter, die neben mir auftauchte, gab Sicherheit.

 

Solche Leitern brauchen wir, wenn wir uns auf den Weg machen wollen in ein Lebenshaus der Zukunft. Wir müssen Wege gehen über Gräben, die das Corona-Virus geschaffen hat. Wege zur Normalität. Zur bedächtigen, „neuen“ Normalität. Wir bewegen uns auf dünnen Brettern. Für manche kein Problem, für andere eine Zumutung.

Welche Leitern gibt es? Eine Leiter heißt Vorsicht. Vorausschauendes Handeln, nicht zu verwechseln mit Ängstlichkeit. Selbstschutz. Eine weitere Leiter heißt Rücksicht. Auf die Mitmenschen achten. Deren Bedenken wahrnehmen und respektieren.

Vorsicht und Rücksicht sind gute Geländer für den Weg, der vor uns liegt. Aber lieber möchte ich von Leitern sprechen. Nicht nur in Erinnerung an meinen Schwiegervater. Denn Leitern verbinden in der Bibel Himmel und Erde. Zumindest bei Jakob war es so (Gen 28). Und sein Traum von einer Himmelsleiter ist ein Menschheitstraum. Vorsicht und Rücksicht lenken unseren Blick nach oben. Und sind Botschaften von oben.

Gott, wir brauchen Vorsicht ohne Angst. Wir wollen Rücksicht üben, die unsere Gemeinschaft erhält. Schenke uns Einsicht und Weitsicht für die Wege, die vor uns liegen. Vor allem aber: Gib‘ uns Zuversicht, dass es gute Wege sind. Amen.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt unter Rietburg