Tag 39: Mittwoch, 22. April 2020

Produktives Nichtstun

39 nichtstunHätte ich doch schon als Kind oder als Schüler diesen Ausspruch Luthers gekannt. Welch herrliche Ausrede, um entspannt nichts zu tun. Um sich auf der Terrasse, im Garten niederzulassen und die Sonne zu genießen. Aber es will einfach nicht zusammenpassen: auf der einen Seite die protestantische Arbeitsethik des Fleißes, das Versprechen der Marktwirtschaft: Jeder kann es zu Wohlstand schaffen, wenn er sich nur Mühe gibt. Und auf der anderen Seite die Gelassenheit des Wissens: Manchmal kann man eben nichts tun.

 

Der Dienst an Gott ist der Dienst an Menschen. Gerade heißt das: Mit Abstand dienen wir uns gerade am besten. Ok, auch mit Einkaufsdiensten für die Älteren, mit ganz vielen Telefonaten, mit dem Schreiben von Briefen, Postkarten, E-Mails, etc. oder wenn wir aneinander denken. Aber eben auch genau damit: beim produktiven Nichtstun. Ganz ohne schlechtes Gewissen und voller Vorfreude darauf, dass es irgendwann wieder anders sein wird.

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Böchingen