Tag 38: Dienstag, 21. April 2020

Stille

38 Stille„Unmöglich!“ Man hatte einem Redakteur vorgeschlagen, im Radio das Stück eines berühmten Trompeters vorzustellen, doch mittendrin gab es 13 Sekunden Stille. „Sie sind wahnsinnig“, zischte er empört: „13 Sekunden Stille? Da segelt uns doch der ganze Sender ab! Hörer X könnte vor Schreck die Tasse aus der Hand fallen und Hörerin Y hätte Anlass, an der Existenz des Senders, ja, an der ganzen öffentlich-rechtlichen Ordnung zu zweifeln. 13 Sekunden? Unmöglich!“

 

Stille. In den Augen unseres Redakteurs fast eine Bedrohung. In jedem Fall aber unerhört provokant. Aber wohin soll denn etwas nachklingen, wenn keine Stille da ist? Was, wenn wir zwar immer und immer wieder etwas miteinander zu besprechen, zu diskutieren, abzuwägen oder auszuhandeln haben, aber nicht mehr miteinander schweigen können? 

Stille. Das kommt von stillen / zur Ruhe bringen / beruhigen. Wie nötig haben wir das in unserer Welt! In jedem Menschen gibt es das Bedürfnis nach Entschleunigung, wo ich ganz ich selber bin und es auch sein darf. Wo ich mit mir selbst in Berührung komme und gerade auch Gott nah ist. Es gibt viele Bibelverse, die dazu einladen, dass „unsere Seele stille zu Gott“ werden kann. Lassen wir uns dazu einladen! Es dürfen gern mehr als 13 Sekunden sein!

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein