Tag 36: Sonntag, 19. April 2020

Was trägt

36 afrikanerVor vielen Jahren bekam ich die kleine Holzfigur geschenkt. Freunde aus unserer Partnergemeinde in Ghana überreichten sie mir. Wenn ich mit ihr gemeinsam aus dem Fenster schaue, denke ich an die Zeit in Afrika zurück. Die Armut, die dort herrschte. Es gab in Akokoaso keinen Strom und keine Wasserversorgung. Die Menschen trugen T-Shirts aus unseren Altkleidersammlungen, und viele Kinder waren fehlernährt. Aber sonntags zogen sie ihre Festkleidung an. Farbenfroh und lachend feierten sie Gottesdienste. Sie feierten die Gemeinschaft, sie feierten das Leben. Auch alte Männer, wie mein jahrelanger Wegbegleiter, tanzten durch die Kirche. Wunderbare Gesänge zum Rhythmus der Trommeln. „Praise the Lord“- vielstimmig, überzeugend. Man nahm es ihnen ab, dass sie sich wie neugeboren fühlten.

 

Wie mag es den Geschwistern in Ghana jetzt gehen? Wie informiert sind sie? Welche Möglichkeiten haben sie, sich zu schützen vor dem weltweiten Virus?

Keine Ahnung. Die Kontakte sind nicht mehr da. Aber die Erinnerung an die tragende Kraft des Glaubens, die mir dort begegnet ist, beeindruckt mich und hilft mir heute noch. Ich bin mir ziemlich sicher: Die Zuversicht und das Gottvertrauen, der Stolz, „dass Gott uns liebt“, die Gelassenheit und die Lebensfreude der Menschen in Armut, all das hilft ihnen. Und mir auch.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt

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