Man sieht es von Ferne dem etwas windschiefen Kirchturm, der über die Dächer des malerischen Ortes ragt, nicht an, welches Juwel die St. Georgskirche zu Rhodt unter der Rietburg darstellt. Dem Leuchtturm einer Insel gleich streckt er sich aus dem Rebenmeer. Geschichtlich betrachtet haben Kirche und Dorf tatsächlich etwas von einer Insel an sich. 1570 wurde in Rhodt die Reformation durchgeführt – nach lutherischem Bekenntnis, denn der Ort stand unter württembergischen Lehen. Die umliegenden Dörfer blieben katholischen, während der größere Nachbarort Edenkoben dem reformierten Bekenntnis zugetan war. 

1719 ist die ursprüngliche spätgotische Kirche zu klein geworden. Sie wird abgerissen. Nur der Turm der alten bleibt stehen. Er trägt am Erdgeschoßgewölbe die Jahreszahl 1481. Der Neubau des Kirchenschiffes 1720-1722 erfolgte nach dem Vorbild der Speyerer Dreifaltigkeitskirche. Sitzordnung und der für den protestantisch-pfälzischen Bereich seltene Retabelaltar zeugen vom lutherischen Bekenntnis. Doch vor allem sollte sie schön sein, die neue Kirche. Und überbordend ausgestattet mit Bildern.

Wohin das Auge sich wendet, erblickt es Malereien: auf den Emporenbrüstungen 21 biblische Szenen aus dem Alten und Neuen Testament; am Kanzelaufgang fünf Apostel; am Kanzelkorb die vier Evangelisten mit ihren Symbolen; an der Decke zwei Gemälde, die auf Taufe und Abendmahl hinweisen, den beiden in der evangelischen Kirche gültigen Sakramente: die Taufe Jesu und Jesu letztes Mahl mit seinen Jüngern; am Altar die Auferstehung Christi, ein Werk des südpfälzischen Malers Adolph Kessler (1890-1974). Selbst dort, wo keine Bilder sind, gibt es Malerei: Die Holzflächen sind als Marmorimitat künstlerisch gestaltet.

Die Bilder erzählen, predigen, legen Bekenntnis ab (die Deckengemälde über die beiden Sakramente). Das wird auch dem heutigen Betrachter deutlich sein. Anders der Pelikan auf Schalldeckel der Kanzel. Er ruft eher Rätselraten hervor. Dabei weist er auf eine Legende hin, die in der Barockzeit jedes Kind kannte. Der Pelikan ernährt seine Jungen durch sein eigenes Blut, indem er sich selbst die Brust öffnet und für sie stirbt – Hinweis auf das Erlösungsopfer Christi.

Im Presbytersgestühl fällt ein besonderer Sessel auf, bestickt mit der Königskrone und der Initiale „T“. Die silberne Stickerei weist auf Königin Therese, Gemahlin Ludwigs I. von Bayern aus dem Hause Sachsen-Hildburghausen. Sie behielt auch nach ihrer Heirat das evangelisch-lutherische Bekenntnis. Wollte sie während eines Aufenthaltes auf ihrem Sommersitz, „Schloss Ludwigshöhe“ oberhalb Rhodts, einen lutherischen Gottesdienst besuchen, konnte sie das nur in Rhodt, der lutherischen „Insel“, tun. Therese nahm auf diesem Stuhl sitzend an den Gottesdiensten in der St. Georgskirche teil.